Bundesweite Bedarfsabfrage zur Rechtsextremismusprävention

Der Kooperationsverbund Rechtsextremismusprävention (KompRex) hat das Ziel, bundesweit in Regelstrukturen zu wirken, Netzwerke aufzubauen und die Zivilgesellschaft in der Rechtsextremismusprävention dort zu unterstützen, wo der Bedarf am größten ist. Als zentraler Akteur im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ zur Rechtsextremismusprävention ist es unsere Aufgabe, die Herausforderungen und Bedarfe aller geförderten Projekte zu kennen und unsere Maßnahmen entsprechend anzupassen. Dazu wurde von uns eine Bedarfsabfrage für alle Partnerschaften für Demokratie (PfD), Landesdemokratiezentren (LDZ) und Innovationsprojekte im Bereich Rechtsextremismusprävention und Verschwörungsdenken konzipiert und durchgeführt. Mit der Bedarfsabfrage sollte ermittelt werden, wie die Prävention von Rechtsextremismus noch wirksamer gestaltet werden kann, welche konkreten Herausforderungen die Träger vor Ort erleben und welche Unterstützungsangebote ihre Arbeit wirklich stärken.

Die Bedarfsabfrage wurde im November 2025 an 267 Träger bundesweit versendet. Trotz des hohen Arbeitsaufwands zum Jahresende gab es eine breite Beteiligung an der Bedarfsabfrage. Dies bestärkt uns, Bedarfsumfragen in regelmäßigen Abständen zu wiederholen, um für die Partnerschaften für Demokratie, die Landesdemokratiezentren und die Innovationsprojekte die bestmögliche unterstützende Struktur zu bilden.

Wer hat teilgenommen?

  • Die Umfrage wurde an 267 Träger verschickt (114 davon in Ostdeutschland).
  • 128 Träger haben teilgenommen.
©Amadeu Antonio Stiftung

Überdurchschnittlich oft wurde die Umfrage von Trägern aus Ostdeutschland beantwortet. Das deutet auf einen (sehr erwartbaren) größeren Bedarf an Unterstützung durch die Träger in Ostdeutschland, insbesondere durch die dortigen lokalen Netzwerke, die PfDs, hin.

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Rund zwei Drittel der Träger haben seit über zehn Jahren Expertise im Themenfeld Demokratiebildung und Rechtsextremismusprävention. Das zeigt auf, welche Expertise wegbricht, wenn die Umgestaltung von „Demokratie leben!“ in Kraft tritt.

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Die Träger wünschen sich insbesondere Fortbildungen, Methodenvermittlung sowie das Teilen wissenschaftlicher Erkenntnisse zu unterschiedlichen Aspekten des Rechtsextremismus. Dies ist aufgrund der sehr dynamischen Entwicklungen im Rechtsextremismus nicht verwunderlich.

Es besteht vor allem inhaltliches Interesse an diesen drei Themenbereichen:

  • Aktuelle Entwicklungen und Strömungen des Rechtsextremismus
  • Jugend und Rechtsextremismus
  • Rechtsextremismus im ländlichen Raum
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Darüber hinaus wünschen sich viele PfDs, LDZen und Innovationsprojekten ebenfalls eine Interessenvertretung durch KompRex als entstehende bundeszentrale Struktur. Ein Träger wünscht sich einen „Zusammenschluss zivilgesellschaftlicher Akteur*innen mit dem Ziel auch gegen die rechte Stimmungsmache solidarisch zu bleiben und die Wichtigkeit der Arbeit an die Politik weiterzutragen.“

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Viele Träger sind von Angriffen auf die Zivilgesellschaft betroffen. Nur bei 14 Prozent der Träger besteht keine Sorge vor Angriffen, 44 Prozent der befragten Träger haben in den letzten zwei Jahren schon Angriffe erleiden müssen.

  • Als Formen der Gewalt nennen die Träger insbesondere digitale Anfeindungen, Beleidigungen und Diskreditierungen.
  • Sorge besteht, da laut den Trägern etwa „kommunale Beschäftigte generell vielen Angriffen ausgesetzt sind (verbal und/oder tätlich)“, „sich subtile Versuche extremistischer Raumnahmen häufen“ und „der Träger bereits öffentlich diskreditiert wurde und sich die Lage zuspitzt und der Träger weiter ins Visier der AfD kommt“.
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Die Bedarfsabfrage zeigt auf, dass KompRex insbesondere für PfDs und LDZen als Fortbildungs- und Unterstützungsstruktur fungieren soll und für diese eine hohe Relevanz besitzt. Die Umfrage zeigt auch sehr deutlich, warum gut funktionierende Kooperationsverbünde ein Mehrwert für kommunale und landesweit arbeitende Träger, wie die Partnerschaften für Demokratie und Landesdemokratiezentren, darstellen. Die Auswertung der Bedarfsabfrage fließt aktuell in die laufende Arbeit des KompRex ein, um zeitnah auf die genannten Bedarfe und Herausforderungen zu reagieren. Auch die bereits geplanten Maßnahmen für 2026 von der Fortbildungsreihe über das Infoportal und den digitalen Fachtag bis hin zu den Vernetzungsangeboten begegnen den erhobenen Bedarfen.

Dass die gesamte Arbeit des KompRex laut den Plänen des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) als Unterstützungsstruktur 2027 wegfallen soll, ist angesichts der aufgezeigten Bedarfe mehr als bitter. Denn der Kooperationsverbund bündelt jahrelange Expertise in der Rechtsextremismusprävention in Bereichen wie Rechtsextremismus unter Jugendlichen sowie in Schulen und Familien, im ländlichen Raum, in Wirtschaft, Justiz und Kirchen bis hin zum noch wenig beforschten Feld des türkischen Rechtsextremismus, die allesamt von einem Großteil der Befragten als sehr relevant für ihre Arbeit benannt wurden. Dies betrifft auch die Bereiche Schutz und Vernetzung der Zivilgesellschaft, jeweils verbunden mit dem Wunsch nach Unterstützung, z.B. in Form von Beratungen oder Fortbildungen.

Wir möchten uns hiermit noch einmal ausdrücklich bei allen bedanken, die an der Bedarfsabfrage teilgenommen haben!

KompRex | 13. April 2026