Autor: Klara

  • Wirkung von Präventionsprojekten messen – Wie gut ist das im Arbeitsalltag umsetzbar?

    Wirkung von Präventionsprojekten messen – Wie gut ist das im Arbeitsalltag umsetzbar?

    ©Scott Graham via Unsplash

    Alle Menschen, die sich für Demokratie und gegen Rechtsextremismus engagieren, stehen immer wieder vor der Frage, ob die entwickelten Maßnahmen eine nachhaltige Wirkung entfalten. Projektmitarbeitende und Geldgeber*innen wollen, dass die durch sie geförderte Projekte dort wirken, wo es notwendig ist. Daher spielen auch im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ Evaluation und Wirkung eine immer größere Rolle. Im Bundesprogramm werden Projekte von wissenschaftlichen Evaluationen begleitet, welche von den Fördermittelgebenden beauftragt wurden. Trotzdem ist bei vielen Trägern der Wunsch entstanden, zusätzlich selbst Informationen und Daten zu sichern, welche die Wirkung der eigenen Projekte belegen – sei es im Rahmen eines Qualitätsmanagements, zur fortlaufenden Reflexion der Projektausrichtung oder um zukünftige Fördermittel zu sichern.

    Mit diesem Artikel möchten wir auf einige Fragen eingehen und beispielhaft zeigen, wie Wirkungsorientierung im Arbeitsalltag konkret umgesetzt werden kann. Dafür stellen wir einige Schritte vor, die seitens des Kompetenzzentrum Rechtsextremismus und Demokratieschutz der Amadeu Antonio Stiftung umgesetzt werden. Diese Vorstellung stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit dar und ersetzt keine wissenschaftliche Evaluation von Projekten. Stattdessen sollen interessierte Träger die vorgestellten Maßnahmen selbst auf ihre eigenen Bedürfnisse und Themenfelder anwenden können.

    Schritt 1: Informationen zusammentragen und Wirkungsziele formulieren

      Der Begriff Wirkung beschreibt eine eingetretene Veränderung, ausgelöst durch eine durchgeführte Maßnahme. Wirkungsorientierung hingegen ist die Projektausrichtung auf die bestmögliche Erzielung von Wirkung und die Anpassung der Projektplanung daraufhin (vgl. Phineo 2021: 6). Um die eigene Projektarbeit auf Wirkungsorientierung auszurichten, muss demnach vorab festgelegt werden, welche Wirkung das Projekt erzielen soll.

      Die Formulierung von Wirkungszielen wird auch Wirkungsmodell genannt und ein Wirkungsmodell kann grafisch zum Beispiel durch Wirkungsketten oder -treppen dargestellt werden. Für einzelne Maßnahmen haben wir im Kompetenzzentrum Rechtsextremismus und Demokratieschutz Wirkungsketten formuliert. Phineo, eine gemeinnützige AG mit dem Ziel der Stärkung von stra­te­gi­schem gesell­schaft­li­chen Enga­ge­ment, bietet hierfür Vorlagen für eine eigens entwickelte Wirkungstreppe an (Phineo 2021). 

      Innerhalb eines Wirkungsmodells wird zuerst die eingebrachte Arbeitsleistung (Input) beschrieben, beispielsweise die Organisation eines Demokratiefestes. Daraus entsteht die erbrachte Leistung (Output), in diesem Fall die durchgeführte Veranstaltung. Anschließend wird festgelegt, welche Wirkung die Veranstaltung erbringen soll. Dafür wird zum einen die Wirkung des Festes auf die Zielgruppe (Outcome) beschrieben. Dies kann zum Beispiel ein Wissenszuwachs zu Demokratie bei den Teilnehmenden sein. Zum anderen wird die Wirkung auf die Gesellschaft (Impact) formuliert (vgl. Kortendieck, Stepanek 2019: 190). Im Beispiel könnte dies die Stärkung der demokratischen Stadtgesellschaft sein. Statt dass Projektträger v.a. auf die Erbringung von vereinbarten Leistungen achten, soll durch den Fokus auf Wirkung der gesellschaftliche Mehrwert und Wandel im Mittelpunkt stehen.

      Wichtig dabei ist, das tiefliegende gesellschaftliche Problem mit den jeweiligen Ursachen und Konsequenzen genau zu kennen. Nur so können Maßnahmen formuliert werden, die das Problem adressieren, die Zielgruppe erreichen und die größtmögliche Wirkung erzielen. Zur Definition des Problems, zu welchem Maßnahmen entwickelt werden sollen, bietet sich eine Literaturrecherche, die Sammlung bisheriger Expertise und Erfahrungen sowie Fachgespräche mit Expert*innen und der Zielgruppe an. Aus eigener Erfahrung empfehlen wir zudem eine Bedarfsabfrage bei der Zielgruppe. Durch solch eine breit angelegte Umfrage konnten wir im Kompetenzzentrum alle Maßnahmen dieses Jahres nochmals mit den Wünschen und Belangen unserer Zielgruppe abgleichen.

      Schritt 2: Daten sammeln und Wirkung messen

      Nach der Wirkungsmodellierung sollte bekannt sein, welche Wirkung das Projekt im Idealfall erreichen soll. Nun geht es um die Frage, ob und wie Wirkung gemessen werden kann. Dazu haben wir im Kompetenzzentrum v.a. mit Daten gearbeitet. Für die Datenerhebung braucht es zuallererst eine Bestandsaufnahme innerhalb des Trägers: welche Daten bereits erhoben werden, sowie eine sinnvolle Aufgabenteilung innerhalb des Teams. Es sollten Daten gesammelt werden, die aussagekräftig sind, als auch relativ leicht erhoben werden können. Dies können zum Beispiel Aufrufzahlen von Publikationen und Beiträgen in den Sozialen Medien, Teilnahmezahlen bei Veranstaltungen zur Erreichung der Zielgruppe oder Ergebnisse von Teilnehmendenbefragungen sein. Zum Einholen von Feedback der Teilnehmenden können neben Online-Tools auch interaktive und niedrigschwellige Feedbackmethoden verwendet werden.

      Veränderungen bei der Zielgruppe (Outcome) sind durch quantitative oder qualitative Befragungen teilweise feststellbar. Allerdings ist es für ein kleineres Projektteam mit befristeten Förderungen und ohne ausreichende Mittel und Erfahrungen in der empirischen Sozialforschung kaum möglich, gesellschaftliche Veränderung (Impact) nachzuweisen. Diese Limitation sollte stets nach außen transparent kommuniziert werden. Statt mit Daten zu arbeiten, können auch theoriegestützte Ansätze genutzt werden, um Einschätzungen von Programmeffekten formulieren zu können (Transfer für Bildung e.V. 2026).

      Um beim Beispiel des Demokratiefestes zu bleiben: Nach dem Fest berichten Teilnehmende, dass sich ihr Wissensstand zu Demokratie positiv verändert hat und dass eigene Folgeprojekte entstehen. Doch welche Wirkung hatte die Veranstaltung für die (Stadt-)Gesellschaft? Hierfür bräuchte es zum Beispiel eine Längsschnittstudie, welche die Veränderungen der Einstellungen im Umkreis der Teilnehmenden über einen längeren Zeitraum erhebt. Allerdings sollte bei solchen Fragestellungen auch reflektiert werden, welchen Nutzen eine breit aufgelegte Befragung hat und in welchem Verhältnis dafür aufgebrachte Mittel und Erkenntnisse stehen.

      Schritt 3: Erkenntnisse sichern und Handlungsempfehlungen entwickeln

      Im letzten Schritt geht es darum, die zuvor festgelegten Wirkungsziele mit den erhobenen Ergebnissen bzw. Daten zu vergleichen und aus der Projekterfahrung Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen zur Weiterentwicklung des Projekts oder für zukünftige Projekte zu formulieren. Dabei sollte reflektiert werden, ob das Projekt nach jetzigem Kenntnisstand die gewünschte Wirkung erzielt hat. Innerhalb des Kompetenzzentrums erfolgt dies mit dem Verfassen von quartalsweisen Wirkungsberichten. Alternativ können Ergebnisse auch in Jahresberichten des Trägers erscheinen oder mündlich bei Teambesprechungen vorgestellt werden. Durch einen Open Access-Ansatz, wie es zum Beispiel das Metadatenportal „Datenatlas Zivilgesellschaft“ der Bertelsmann Stiftung ermöglicht, können die eigenen Erkenntnisse mit anderen Fachorganisationen geteilt werden.

      Wir wollen mit diesem Beitrag einige Möglichkeiten der Wirkungsorientierung aufzeigen, welche auch mit beschränkten Mitteln umsetzbar sind. Erste Schritte hin zu mehr Wirkungsorientierung im Arbeitsalltag können demnach zum Beispiel die Einführung von Teilnehmendenbefragungen nach Veranstaltungen oder das erste Formulieren von Wirkungszielen während einer Teambesprechung sein. Dabei sollte für das Team nicht der Arbeitsaufwand im Fokus stehen, sondern die Nutzung von bereits existierender Expertise und das Ziel, die eigenen Präventionsprojekte nachhaltig zu stärken.

      Bei Fragen oder Interesse an Austausch kann die Verfasserin gerne kontaktiert werden: kathrin.remus@amadeu-antonio-stiftung.de

      Quellen

      Kortendieck, G., Stepanek, P. (2019): Controlling in der deutschsprachigen Sozialwirtschaft. Eine Einführung. Wiesbaden: Springer VS.

      Mildenberger, G., Kehl, K., Then, V. (2020): Maßstab für erfolgreiches Arbeiten. In: Wössner, U. (Hrsg.) Sozialraumorientierung als Fachkonzept Sozialer Arbeit und Steuerungskonzept von Sozialunternehmen. Sozialwirtschaft innovativ. Wiesbaden: Springer VS.

      Phineo gAG (2021): Kursbuch Wirkung. Das Praxishandbuch für alle, die Gutes noch besser tun wollen. 6. Auflage. Berlin: Phineo.

      Transfer für Bildung e.V. (Hrsg.) (2026): Gegenstandsangemessene Wirkungsevaluation in Demokratieförderung und nonformaler politischer Bildung. Eine fachliche Einordnung am Beispiel des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. Fachstelle politische Bildung –Wissens-Hub, Autor*innen: Hansek, M., Becker, H., Posenau, D., online: https://transfer-politische-bildung.de/fileadmin/user_upload/transfermaterial/veroeffentlichungen/Langfassung_TfB_2026-Gegenstandsangemessene-Wirkungsevaluation.pdf

      Amadeu Antonio Stiftung | 5. August 2026

    1. Bundesregierung bestätigt zentrale Erkenntnisse zu türkischem Rechtsextremismus

      Bundesregierung bestätigt zentrale Erkenntnisse zu türkischem Rechtsextremismus

      ©FaTRex

      Türkischer Rechtsextremismus ist eine ernstzunehmende Gefahr für die Demokratie! In einer Kleinen Anfrage vom 30. Juni 2026 haben sich die Abgeordneten Dr. Irene Mihalic, Marlene Schönberger, Max Lucks sowie weitere Abgeordnete der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN an die Bundesregierung gewandt. Gegenstand der Anfrage war die Kenntnis der Bundesregierung über die Aktivitäten der „Grauen Wölfe“ in Deutschland. 

      In ihrer Antwort vom 13. Juli 2026 verweist die Bundesregierung ausdrücklich auf die Fachstelle Türkischer Rechtsextremismus (FaTRex) als Teil der bundesweiten Präventionsarbeit und beschreibt dabei unsere Aufgaben in der Präventions- und Sensibilisierungsarbeit. Als Ziele nennt sie: 

      •  Die Gesellschaftliche Auseinandersetzung zu fördern,   
      • Fachkräfte zu sensibilisieren und zu qualifizieren,  
      • Institutionen zu unterstützen und  
      • Schutzräume für Betroffene mitzugestalten. 

      Die Bundesregierung stellt fest, dass türkischer Rechtsextremismus ein eigenständiges rechtsextremes Phänomen ist, rund 13.500 Anhänger*innen hat, von denen etwa 10.500 in drei großen Dachverbänden ADÜTDF, ATIB und ANF organisiert sind, in stabilen Verbandsstrukturen existiert und eine wachsende freie Szene verfügt. 

      Dies zeigt: Die Bewegung verfügt über stabile und bundesweite Strukturen. 

      Die Bundesregierung stellt weiter fest, dass im digitalen Raum rassistische und antisemitische Inhalte verbreitet werden. Die Verbände nutzen dazu vorwiegend Social Media, die freie Szene ist deutlich aktiver im Internet unterwegs. Waffeninszenierungen und Drohgebärden dienen der Selbstdarstellung.  

      Obwohl die Bundesregierung von einer Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts spricht, bleiben politische Leerstellen:  

      • Die Bundesregierung erkennt die Gefahr deutlich an. Gleichzeitig bleibt sie beim Verbot bewusst ausweichend. 
      • Die Betroffenenarbeit ist deutlich diverser als genannt und essenziell in der Präventionsarbeit. 
      • Viele Antworten zeigen, dass Wissen vorhanden ist. Jetzt stellt sich die Frage, welche politischen Konsequenzen daraus folgen.  

      Türkischer Rechtsextremismus wird zunehmend als eigenständiges demokratiegefährdendes Phänomen anerkannt und es wird deutlich, dass Prävention durch spezialisierte Fachstellen geleistet werden muss und Betroffene Sichtbarkeit, Schutz und Unterstützung benötigen. Deshalb arbeiten wir daran, Wissen bereitzustellen, Fachkräfte zu qualifizieren und demokratische Strukturen zu stärken.

      FaTRex | 27. Juli 2026

    2. Wissenstransfer und Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis

      Wissenstransfer und Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis

      ©Kristin Fleck für die Schader Stiftung

      Seit 2023 begleitet Gesicht Zeigen! mit dem Projekt „United! Gemeinsam gegen Rechtsextremismus“ den interdisziplinären Forschungsverbund GERDEA als Praxispartner. GERDEA untersucht in vier Teilprojekten Wechselwirkungen zwischen dem Wandel der Geschlechterverhältnisse und dem Handeln der extremen Rechten. Mit unserem Schwerpunkt im Bereich Justiz und Rechtsextremismus hat United! dabei das GERDEA-Teilprojekt des Instituts für Politikwissenschaft der Philipps-Universität Marburg begleitet, das Gerichtsverfahren zu rechter Gewalt in Bezug auf geschlechterrollenstereotype Wahrnehmungsfilter analysiert. Dabei konnten die Wissenschaftler*innen unter anderem herausfinden, dass das soziale Milieu von Angeklagten in Verbindung mit ihrer Geschlechterrolle Einfluss auf die Interaktionen zwischen den Teilnehmenden der Gerichtsverfahren haben.

      Als Praxispartner standen wir in regelmäßigem Austausch mit dem GERDEA-Verbund insgesamt und dem Teilprojekt im Spezifischen und konnten dabei unsere Impulse und Erfahrungen aus der Praxis einbringen. Auch auf der Abschlusstagung im März diesen Jahres stand der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis im Vordergrund: In vielfältigen Dialogforen wurden die Ergebnisse des GERDEA-Verbunds vorgestellt und dabei von uns Praxispartner*innen direkt auf unsere zivilgesellschaftliche Arbeit bezogen. Dabei haben wir intensiv über die häufig fehlende Sensibilisierung der Justiz für Rechtsextremismus gesprochen und Möglichkeiten emanzipatorischer Prozessbegleitung bei Prozessen zu rechter Gewalt diskutiert.

      Durch den direkten Austausch konnten Forschungsfragen praxisnah ausgerichtet und empirische Daten um handlungsrelevante Perspektiven ergänzt werden. Für unsere Präventionsarbeit bot GERDEA gleichzeitig wissenschaftliche Fundierung und systematische Analysen, die uns unsere Arbeit weiterentwickeln ließen. Die Kooperation hat uns gezeigt, wie fruchtbar der Austausch zwischen Forschung und Praxis sein kann – insbesondere im Themenbereich Rechtsextremismus und Justiz. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen nun in unsere weitere Arbeit ein und stärken die evidenzbasierte Ausrichtung unserer Ansätze.

      Das Forschungsprojekt GERDEA steht aktuell kurz vor dem Abschluss. Weitere Informationen und erste Ergebnispräsentation in Podcasts und bei Veranstaltungen finden Sie auf der Webseite.

      Gesicht Zeigen! | 23. Juli 2026

    3. Ins Gespräch kommen – Demokratischer Dialog in ländlichen Räumen

      Ins Gespräch kommen – Demokratischer Dialog in ländlichen Räumen

      ©Amadeu Antonio Stiftung

      Ländliche Räume sind für viele Menschen ein Lebensort und Zuhause, bieten Erholung, Natur und Gemeinschaft. Man kennt sich auf dem Land, begegnet sich in Alltag und Freizeitgestaltung, im Vereinsleben oder im Dorfmarkt.

      Ländliche Räume werden allerdings auch seit vielen Jahren von rechtsextremen Akteur*innen als Sehnsuchtsort und politisches Spielfeld verstanden. Pläne zur rechtsextremen Raumnahme, wie sie jüngst auch von der AfD in Rheinland-Pfalz in einem Strategiepapier vorgestellt wurden, reihen sich ein in eine lange Reihe von Versuchen, im ländlichen Raum Fuß zu fassen. Dabei legen rechtsextreme Kräfte eine Professionalität und Taktik an den Tag, die häufig unterschätzt wird.

      In vielen Regionen stellen sich der rechtsextremen Raumnahme oft kleine Initiativen oder engagierte Einzelpersonen entgegen. Sie haben über die Jahre ein Know-how entwickelt, wie demokratische Kultur auch in ländlichen Regionen verteidigt werden kann. Was oft fehlt, ist eine überregionale Vernetzung mit Initiativen und Einzelpersonen in anderen ländlichen Regionen, die häufig vor sehr ähnlichen Herausforderungen stehen.

      Solidarische Vernetzung und Austausch auf Augenhöhe

      Deshalb hat das Kompetenzzentrum Rechtsextremismus & Demokratieschutz der Amadeu Antonio Stiftung letztes Jahr die AG Ländliche Räume ins Leben gerufen. Ziel ist es, einen bundesweiten Austausch über Herausforderungen, neue und alte Strategien der rechtsextremen Raumnahme, Erfahrungen von erfolgreichen und weniger erfolgreichen Gegenstrategien und Formaten zu ermöglichen. Seit Bestehen der AG ist die Teilnehmendenzahl kontinuierlich gewachsen, was auch den Bedarf nach einem solchen Austausch zeigt. Mit über 140 Teilnehmenden aus dem gesamten Bundesgebiet fand am 3. Juni 2026 das dritte AG-Treffen statt. Gemeinsam mit dem Politikberater Martin Rüttgers hat sich die AG mit der Frage beschäftigt, wie man in ländlichen Räumen besser in einen demokratischen Dialog treten kann und welche Formate für Engagement und Austausch sich in der Praxis bewährt haben.

      In der Diskussion haben sich viele Herausforderungen für demokratisches Engagement gezeigt. Die im ganzen Bundesgebiet anhaltenden Wahlerfolge rechtsextremer Parteien wie der AfD, aber auch Aktivitäten von kleineren Parteien wie der „Heimat“ oder den „Freien Sachsen“, lösen bei vielen Engagierten vor Ort nicht nur Sorge um die Demokratie aus. Häufig gehen diese Entwicklungen mit einer zunehmenden Einschüchterung und Angriffen gegen Engagierte, Vereine oder Räumlichkeiten einher. Das wirkt abschreckend für Engagierte und die, die eigentlich gerne selbst aktiv werden würden. Neue Menschen für demokratisches Engagement zu gewinnen, wird an vielen Orten immer schwieriger.

      Demokratisches Engagement unter Druck

      Die gewaltvolle Drohkulisse rechtsextremer Akteur*innen ist jedoch nicht das einzige Problem: Vielerorts wird der Einsatz für Demokratie und Menschenrechte als linksextrem diffamiert. Auf kommunaler Ebene, wo Mittel ohnehin meist knapp sind, wird dann an wichtigen Stellen eingespart oder gekürzt. Auch die Zivilgesellschaft wird dabei empfindlich getroffen. Wenn wichtige Strukturen wie „Partnerschaften für Demokratie“ von Kommunen nicht mitgetragen werden, drohen lokale Netzwerke und Initiativen zusammenzubrechen und handlungsunfähig zu werden. Die daraus resultierende Lücke bietet rechtsextremen Kräften die Möglichkeit, ihre eigenen Angebote und Formate weiter in die Gesellschaft zu tragen. Um dem entgegenzuwirken, braucht es alternative Finanzierungsmöglichkeiten. Regionale Unternehmen, (Bürger-)Stiftungen oder auch solidarische Netzwerke können dabei helfen, die Handlungsfähigkeit der Zivilgesellschaft aufrechtzuerhalten.

      Erfahrungswerte und Empfehlungen aus der Zivilgesellschaft

      Neben all diesen und weiteren Hürden für das Engagement im ländlichen Raum wurden jedoch auch viele Beispiele für gelingendes Engagement gesammelt. Hier sind drei der wichtigsten Erfahrungswerte:

      1. Niedrigschwellige Formate planen und Räume für Begegnung öffnen: Flohmärkte, Pflanzentauschbörsen, Open-Air-Kinos – durch solche offenen Formate kann man es schaffen, unterschiedliche Personengruppen anzusprechen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch erprobte Konzepte wie die Dorfgespräche zielen in erster Linie darauf ab, einen Raum zu schaffen, an dem die Dorfgemeinschaft zusammenkommt. Die Themen ergeben sich dann aus dem Gespräch und werden nicht im Vorfeld gesetzt.
      2. Ins Machen kommen und gemeinsame Aktionen umsetzen: Tun, statt diskutieren – durch gemeinsame Aktionen wird das Gemeinschaftsgefühl gestärkt und Selbstwirksamkeit vermittelt. Gleichzeitig können dadurch auch Räume für Diskussion und Aufklärung entstehen, wie ein Beispiel aus Rheinland-Pfalz zeigt: Mit Unterstützung der lokalen „Partnerschaft für Demokratie“ in Birkenfeld wurde eine Baumallee mit dem „Korbiniansapfel“ angepflanzt – die Apfelsorte ist nach dem Pfarrer Korbinian Aigner benannt, der im dritten Reich verfolgt wurde und die Apfelsorte im KZ in Dachau gezüchtet hat. Durch die Pflanzung eines lebendigen Denkmals in Form von Apfelbäumen werden neue Möglichkeiten geschaffen, miteinander ins Gespräch über die NS-Zeit zu kommen und für die Schicksale der Betroffenen des nationalsozialistischen Regimes zu sensibilisieren.
      3. Solidarische Netzwerke aufbauen und pflegen: Eine klare Positionierung und Haltung einzunehmen erfordert Mut – besonders in ländlichen Regionen, in denen man sich teilweise schon Jahre kennt und Anonymität nicht gegeben ist. An vielen Orten bedeutet demokratisches Engagement, sich in einen Konflikt mit Nachbar*innen, Vereinskolleg*innen und Teilen der Dorfgemeinschaft zu begeben. Um dieses Engagement aufrechterhalten zu können, ist es wichtig, nach Verbündeten zu suchen – bei sich vor Ort, aber auch überregional. So entstehen nicht nur neue Ideen für Engagement, sondern das solidarische Miteinander schafft auch Sicherheit und Resilienz für das eigene Engagement.

      Save the Date: 25. August 2026

      Wenn auch du auf der Suche nach Gleichgesinnten bist, solidarische Netzwerke aufbauen möchtest und an einem Austausch interessiert bist, dann könnte die AG Ländliche Räume für dich genau das Richtige sein. Unsere nächste Sitzung findet am 25. August 2026 von 16.00-18.00 Uhr statt. Als Thema haben wir uns auf den Umgang mit rechtsextremer Ideologie im Alltag verständigt.

      Wenn du interessiert bist, kannst du dich unter diesem Link zur Veranstaltung anmelden. Wenn du Fragen hast, melde dich gerne per E-Mail an hannes.mueller@amadeu-antonio-stiftung.de.

      Amadeu Antonio Stiftung | 6. Juli 2026

    4. Neue Meldestelle für Vorfälle im Zusammenhang mit türkischem Rechtsextremismus

      Neue Meldestelle für Vorfälle im Zusammenhang mit türkischem Rechtsextremismus

      ©FaTRex

      Die „Grauen Wölfe“ gelten als eine der größten Rechtsextremen Bewegungen in Deutschland. Trotzdem wird über türkischen Rechtsextremismus vergleichsweise wenig gesprochen. Die Fachstelle Türkischer Rechtsextremismus (FaTRex) hat jetzt eine neue Meldestelle für Vorfälle eingerichtet, bei denen ein Zusammenhang mit türkischem Rechtsextremismus vermutet wird.

      Bisher bleiben viele Vorfälle unsichtbar oder werden nicht als solche erkannt. Mit der Meldestelle möchte FaTRex dazu beitragen, Entwicklungen besser zu dokumentieren, einzuordnen und sichtbar zu machen.

      Meldungen können auf Deutsch und Türkisch anonym erfolgen.

      FaTRex | 25. Juni 2026

    5. Handreichung zu den Angeboten der KompRex-Träger 2026

      Handreichung zu den Angeboten der KompRex-Träger 2026

      ©Chris Montgomery via unsplash

      Der Kooperationsverbund „Kompetent in der Rechtsextremismusprävention“ (KompRex) organisierte im vergangenen halben Jahr zwei bundesweite Online-Vernetzungstreffen für die Partnerschaften für Demokratie (PfD).
      Diese wurden mit einem großen Interesse und einer engagierten Teilnahme von rund 90 PfDs aus 14 Bundesländern wahrgenommen.

      An zwei Terminen tauschten sich die Koordinierungs- und Fachstellen über aktuelle Herausforderungen und gelingende Praxis in der örtlichen Rechtsextremismusprävention aus. Viele Teilnehmende berichteten von rechtsextremen Anfeindungen, Störversuchen und politischen Einflussnahmen auf lokale Demokratieförderung. Auch verspätete Mittelbereitstellungen und neue Förderauflagen wurden dabei als erhebliche Belastung beschrieben.
      Neben den aktuellen Problemlagen standen aber auch gelungene Ansätze aus der Praxis im Mittelpunkt – etwa Präventionsarbeit an Schulen, niedrigschwellige Angebote an zielgruppenspezifischen Orten oder Pop-up-Formate im öffentlichen Raum.
      Für Herbst 2026 ist ein weiteres, vorerst letztes Treffen geplant, da die Arbeit der Kooperationsverbünde nach aktuellem Stand zum 31.12.2026 endet.

      KompRex versteht sich jedoch nicht nur als Plattform für Austausch und Vernetzung, sondern auch als unterstützende Struktur für die praktische Arbeit vor Ort. Vor diesem Hintergrund wurde die vorliegende Handreichung erstellt.
      Sie bietet einen Überblick über die gemeinsamen sowie trägerspezifischen Maßnahmen, Beratungsangebote und Veranstaltungsformate der im KompRex zusammengeschlossenen Träger im Kalenderjahr 2026 und soll den Partnerschaften für Demokratie als Orientierung und Unterstützung dienen.

      KompRex | 22. Juni 2026

    6. Jugendverbände unter Druck: DBJR-Erhebung zeigt zunehmende Angriffe

      Jugendverbände unter Druck: DBJR-Erhebung zeigt zunehmende Angriffe

      Bild: ©DBJR

      Eine aktuelle bundesweite Erhebung des Deutscher Bundesjugendring (DBJR) zur Bedrohungslage von Jugendverbänden zeigt: Angriffe auf zivilgesellschaftliche Jugendstrukturen nehmen zu, insbesondere auf kommunaler Ebene. Die vorliegenden Ergebnisse sind vorläufig, die Befragung läuft aktuell noch.

      Jugendverbände berichten von Beleidigungen, Online-Angriffen und Bedrohungen bis hin zu Sachbeschädigungen oder Störungen von Veranstaltungen. In vielen Fällen besteht ein Bezug zum extrem rechten Spektrum. Die Angriffe richten sich nicht nur gegen Organisationen insgesamt, sondern auch gegen einzelne Engagierte und konkrete Aktivitäten.

      Neben direkten Anfeindungen spielen auch politische Formen der Delegitimierung eine zunehmende Rolle. Dazu gehören etwa parlamentarische Anfragen, öffentliche Diffamierungen oder die Infragestellung der Arbeit von Jugendverbänden. Häufig wird dabei das Narrativ fehlender „Neutralität“ genutzt, um demokratische Positionierungen zu delegitimieren.

      Auch wenn die Ergebnisse noch nicht abschließend sind, zeichnen sie bereits ein deutliches Bild: Es handelt sich nicht um vereinzelte Vorfälle, sondern um ein breiteres Muster, in dem zivilgesellschaftliche Akteure zunehmend unter Druck geraten. Besonders auf lokaler Ebene entstehen dadurch konkrete Belastungen für Haupt- und Ehrenamtliche bis hin zu Verunsicherung, Rückzug oder Selbstzensur.

      Die finalen Ergebnisse der Erhebung werden in Kürze veröffentlicht. Weitere Informationen und aktuelle Einblicke sind auf der Website des DBJR zu finden.

      Jugendverbände sind zentrale Orte demokratischer Bildung und Teilhabe. Die vorläufigen Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, diese Strukturen zu stärken und Engagierte im Umgang mit Anfeindungen zu unterstützen.

      FaTRex | 18. Mai 2026

    7. Neues Handbuch: Unternehmerische Verantwortung in Zeiten rechtsextremer Einflüsse 

      Neues Handbuch: Unternehmerische Verantwortung in Zeiten rechtsextremer Einflüsse 

      Bild: ©Gesicht Ziegen!

      Gemeinsam mit der Initiative Unternehmen gegen Rechts hat Gesicht Zeigen! das „Handbuch für eine demokratische Zukunft“ veröffentlicht. Es handelt sich um eine Publikation, die sich gezielt an Unternehmen und Arbeitgeber*innen richtet. 

      Das Handbuch bündelt aktuelle Zahlen zu rechtsextremen Vorfällen und deren Auswirkungen auf Betriebsklima, Fachkräftegewinnung und Volkswirtschaft, Stimmen aus Unternehmen, die sich öffentlich positionieren, sowie praxisnahe Handlungsempfehlungen für Führungskräfte, HR und Betriebsräte, von Schulungsformaten über demokratischen Führungsstil bis hin zu klaren Haltungen im Umgang mit Vorfällen. 

      Ob zur Erstorientierung, internen Sensibilisierung oder als Grundlage für konkrete Maßnahmen: Das Handbuch ist ein niedrigschwelliger Einstieg für Unternehmen, die Rechtsextremismusprävention im Betrieb verankern möchten.  Das Handbuch steht als PDF zur Verfügung.

      Gesicht Zeigen! | 12. Mai 2026

    8. Neues Schlaglicht der Fachstelle Rechtsextremismus und Familie (RuF)

      Neues Schlaglicht der Fachstelle Rechtsextremismus und Familie (RuF)

      ©Bild: RuF

      Die Fachstelle Rechtsextremismus und Familie (RuF) hat ein neues „Schlaglicht 2026“ veröffentlicht. Die Publikation greift aktuelle Entwicklungen im Themenfeld Rechtsextremismus und Familie auf und beleuchtet zentrale Dynamiken, Herausforderungen und Handlungsperspektiven für Fachkräfte.

      Als bundesweite Koordinations- und Fachstelle bündelt RuF Expertise zu rechtsextremen Einflussnahmen auf familiale Sozialisation und unterstützt Fachkräfte sowie Angehörige mit praxisnahen Materialien und Beratung. Das neue Schlaglicht bietet kompakte Einblicke und ordnet aktuelle Phänomene ein – eine hilfreiche Grundlage für die pädagogische und beratende Praxis.

      Erarbeitet wurde das Schlaglicht vom bundesweiten Netzwerk der Fachstelle, in dem unterschiedliche Träger und Expertinnen ihre Perspektiven aus Praxis, Beratung und Prävention einbringen. Diese multiperspektivische Autorinnenschaft ermöglicht eine fundierte Einordnung aktueller Entwicklungen und stärkt den Transfer in die Praxis.

      Die Publikation steht ab sofort online zur Verfügung und kann kostenfrei heruntergeladen werden.

      RuF | 4. Mai 2026

    9. Unser Infoportal Rechtsextremismus-prävention startet neu!

      Unser Infoportal Rechtsextremismus-prävention startet neu!

      Foto: ©Gesicht Zeigen!

      Ab heute ist unser Infoportal Rechtsextremismusprävention mit aktualisierten Einträgen und neuem Design wieder erreichbar. Es bietet umfassende Hilfe bei der Suche nach allen professionellen Anlaufstellen der Rechtsextremismusprävention in ganz Deutschland. Egal, ob Sie Unterstützung bei rechtsextremen Vorfällen suchen, den Ausstieg aus der Szene begleiten möchten, Beratung zu lokalen Ereignissen benötigen oder Workshops, Aufklärungsmöglichkeiten und Forschungsergebnisse suchen – im Infoportal Rechtsextremismusprävention finden Sie schnell passende, professionelle und lokale Anlaufstellen.

      Das Infoportal Rechtsextremismusprävention zeigt kompakt und übersichtlich die Bandbreite und Professionalität der aktuellen Rechtsextremismusprävention in Deutschland. Von Beratungs- und Meldestellen über Bildungseinrichtungen bis hin zu Forschungsinstitutionen zeigt das Infoportal Rechtsextremismusprävention, wie wichtig diese Institutionen in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus sind!

      Das Infoportal Rechtsextremismusprävention ist ab sofort wieder erreichbar!

    10. Nicht allein: Innovationsprojekte im Austausch

      Nicht allein: Innovationsprojekte im Austausch

      Foto: ©Jan Weiler

      Die Arbeit gegen Rechtsextremismus steht aktuell unter starkem Druck. Angriffe auf zivilgesellschaftliche Projekte nehmen zu, und mit dem geplanten Umbau von „Demokratie leben!“ stehen zentrale Förderstrukturen auf dem Prüfstand. Mit dem geplanten Förderende zum Jahresende stehen wir ebenso wie viele der Innovationsprojekte, die wir bei der Vernetzung begleiten, vor großen Unsicherheiten. Für alle bedeutet dies eine Phase der Unsicherheit – und die Frage, welche Strukturen für wirksame Präventionsarbeit unverzichtbar sind.

      Innovationsprojekte nehmen in diesem Kontext eine besondere Rolle ein: Sie greifen neue Phänomene frühzeitig auf, entwickeln modellhafte Ansätze und erproben innovative Zugänge für unterschiedliche Zielgruppen. Damit tragen sie entscheidend dazu bei, dass Präventionsarbeit auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen reagieren kann. Gleichzeitig liefern sie Impulse für Regelstrukturen, indem sie Erfahrungen und Konzepte bereitstellen, die langfristig in die Breite getragen werden können.

      Gerade deshalb zeigt sich die Bedeutung verlässlicher Vernetzungsformate: Im Rahmen der Innovationsprojektevernetzung unter Federführung des LidiceHaus kommen Projekte der Rechtsextremismus- und Verschwörungsprävention regelmäßig in Präsenz und digital zusammen. Diese Treffen ermöglichen es, Erfahrungen systematisch auszutauschen, fachliche Expertise zu bündeln und gemeinsame Perspektiven zu entwickeln.

      Die Wirkung dieser Vernetzung ist konkret: Sie stärkt die Handlungssicherheit von Projekten im Umgang mit komplexen Herausforderungen, macht Wissen und erprobte Ansätze zugänglich und schafft belastbare Kooperationsstrukturen. Gleichzeitig entsteht ein gemeinsames Verständnis zentraler Bedarfe im Feld – eine wichtige Grundlage, um fachliche Anliegen gegenüber Fördermittelgebern fundiert zu vertreten.

      Wenn solche Formate wegfallen, gehen nicht nur Austauschmöglichkeiten verloren, sondern auch gewachsene Expertise, abgestimmte Strategien, Ressourcen und tragfähige Unterstützungsstrukturen für die Praxis. Vernetzung ist keine Ergänzung, sondern ein zentraler Bestandteil wirksamer Präventionsarbeit: Sie sichert Qualität, vermeidet Parallelstrukturen und ermöglicht gezielten Ressourceneinsatz.

      Vor diesem Hintergrund ist ein weiteres Vernetzungstreffen in Planung – als Raum, um fachlichen Austausch aufrechtzuerhalten, Entwicklungen gemeinsam einzuordnen und sich gegenseitig zu stärken. Gerade in einer Phase, in der Förderungen auslaufen und Projekte unter Druck stehen, zeigt sich: Zusammenarbeit, systematischer Wissenstransfer und die Stärkung gemeinsamer Strukturen sind unverzichtbar.

      KompRex | 30. April 2026

    11. Neu: Plakat „Kinderrechte und Rechtsextremismus“

      Neu: Plakat „Kinderrechte und Rechtsextremismus“

      Bild: ©RuF

      Die Fachstelle Rechtsextremismus und Familie stellt ab sofort ihr neues A2-Plakat „Kinderrechte und Rechtsextremismus“ zum Download bereit.

      Es macht auf einen Blick deutlich, wie das Aufwachsen in extrem rechten Familien gegen die UN-Kinderrechtskonvention verstößt – entlang der drei zentralen Rechtsdimensionen: Beteiligungsrechte, Schutzrechte und Förderrechte.

      Das Plakat zeigt u. a., wie Kinder in rechtsextremen Familien politisch instrumentalisiert werden, Gewalt erfahren, medizinische Versorgung verweigert bekommen oder durch Isolation und Indoktrination in ihrer freien Entfaltung eingeschränkt werden.

      Es richtet sich an pädagogische Fachkräfte, Beratungsstellen, Jugendämter und alle, die beruflich mit Kindern und Familien arbeiten. Ideal zum Aushang in Kitas, Schulen und Beratungsstellen.

      Fachstelle Rechtsextremismus und Familie (RuF) | 14. April 2026

    12. Bundesweite Bedarfsabfrage zur Rechtsextremismusprävention

      Bundesweite Bedarfsabfrage zur Rechtsextremismusprävention

      Der Kooperationsverbund Rechtsextremismusprävention (KompRex) hat das Ziel, bundesweit in Regelstrukturen zu wirken, Netzwerke aufzubauen und die Zivilgesellschaft in der Rechtsextremismusprävention dort zu unterstützen, wo der Bedarf am größten ist. Als zentraler Akteur im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ zur Rechtsextremismusprävention ist es unsere Aufgabe, die Herausforderungen und Bedarfe aller geförderten Projekte zu kennen und unsere Maßnahmen entsprechend anzupassen. Dazu wurde von uns eine Bedarfsabfrage für alle Partnerschaften für Demokratie (PfD), Landesdemokratiezentren (LDZ) und Innovationsprojekte im Bereich Rechtsextremismusprävention und Verschwörungsdenken konzipiert und durchgeführt. Mit der Bedarfsabfrage sollte ermittelt werden, wie die Prävention von Rechtsextremismus noch wirksamer gestaltet werden kann, welche konkreten Herausforderungen die Träger vor Ort erleben und welche Unterstützungsangebote ihre Arbeit wirklich stärken.

      Die Bedarfsabfrage wurde im November 2025 an 267 Träger bundesweit versendet. Trotz des hohen Arbeitsaufwands zum Jahresende gab es eine breite Beteiligung an der Bedarfsabfrage. Dies bestärkt uns, Bedarfsumfragen in regelmäßigen Abständen zu wiederholen, um für die Partnerschaften für Demokratie, die Landesdemokratiezentren und die Innovationsprojekte die bestmögliche unterstützende Struktur zu bilden.

      Wer hat teilgenommen?

      • Die Umfrage wurde an 267 Träger verschickt (114 davon in Ostdeutschland).
      • 128 Träger haben teilgenommen.
      ©Amadeu Antonio Stiftung

      Überdurchschnittlich oft wurde die Umfrage von Trägern aus Ostdeutschland beantwortet. Das deutet auf einen (sehr erwartbaren) größeren Bedarf an Unterstützung durch die Träger in Ostdeutschland, insbesondere durch die dortigen lokalen Netzwerke, die PfDs, hin.

      ©Amadeu Antonio Stiftung

      Rund zwei Drittel der Träger haben seit über zehn Jahren Expertise im Themenfeld Demokratiebildung und Rechtsextremismusprävention. Das zeigt auf, welche Expertise wegbricht, wenn die Umgestaltung von „Demokratie leben!“ in Kraft tritt.

      ©Amadeu Antonio Stiftung

      Die Träger wünschen sich insbesondere Fortbildungen, Methodenvermittlung sowie das Teilen wissenschaftlicher Erkenntnisse zu unterschiedlichen Aspekten des Rechtsextremismus. Dies ist aufgrund der sehr dynamischen Entwicklungen im Rechtsextremismus nicht verwunderlich.

      Es besteht vor allem inhaltliches Interesse an diesen drei Themenbereichen:

      • Aktuelle Entwicklungen und Strömungen des Rechtsextremismus
      • Jugend und Rechtsextremismus
      • Rechtsextremismus im ländlichen Raum
      ©Amadeu Antonio Stiftung

      Darüber hinaus wünschen sich viele PfDs, LDZen und Innovationsprojekten ebenfalls eine Interessenvertretung durch KompRex als entstehende bundeszentrale Struktur. Ein Träger wünscht sich einen „Zusammenschluss zivilgesellschaftlicher Akteur*innen mit dem Ziel auch gegen die rechte Stimmungsmache solidarisch zu bleiben und die Wichtigkeit der Arbeit an die Politik weiterzutragen.“

      ©Amadeu Antonio Stiftung

      Viele Träger sind von Angriffen auf die Zivilgesellschaft betroffen. Nur bei 14 Prozent der Träger besteht keine Sorge vor Angriffen, 44 Prozent der befragten Träger haben in den letzten zwei Jahren schon Angriffe erleiden müssen.

      • Als Formen der Gewalt nennen die Träger insbesondere digitale Anfeindungen, Beleidigungen und Diskreditierungen.
      • Sorge besteht, da laut den Trägern etwa „kommunale Beschäftigte generell vielen Angriffen ausgesetzt sind (verbal und/oder tätlich)“, „sich subtile Versuche extremistischer Raumnahmen häufen“ und „der Träger bereits öffentlich diskreditiert wurde und sich die Lage zuspitzt und der Träger weiter ins Visier der AfD kommt“.
      ©Amadeu Antonio Stiftung

      Die Bedarfsabfrage zeigt auf, dass KompRex insbesondere für PfDs und LDZen als Fortbildungs- und Unterstützungsstruktur fungieren soll und für diese eine hohe Relevanz besitzt. Die Umfrage zeigt auch sehr deutlich, warum gut funktionierende Kooperationsverbünde ein Mehrwert für kommunale und landesweit arbeitende Träger, wie die Partnerschaften für Demokratie und Landesdemokratiezentren, darstellen. Die Auswertung der Bedarfsabfrage fließt aktuell in die laufende Arbeit des KompRex ein, um zeitnah auf die genannten Bedarfe und Herausforderungen zu reagieren. Auch die bereits geplanten Maßnahmen für 2026 von der Fortbildungsreihe über das Infoportal und den digitalen Fachtag bis hin zu den Vernetzungsangeboten begegnen den erhobenen Bedarfen.

      Dass die gesamte Arbeit des KompRex laut den Plänen des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) als Unterstützungsstruktur 2027 wegfallen soll, ist angesichts der aufgezeigten Bedarfe mehr als bitter. Denn der Kooperationsverbund bündelt jahrelange Expertise in der Rechtsextremismusprävention in Bereichen wie Rechtsextremismus unter Jugendlichen sowie in Schulen und Familien, im ländlichen Raum, in Wirtschaft, Justiz und Kirchen bis hin zum noch wenig beforschten Feld des türkischen Rechtsextremismus, die allesamt von einem Großteil der Befragten als sehr relevant für ihre Arbeit benannt wurden. Dies betrifft auch die Bereiche Schutz und Vernetzung der Zivilgesellschaft, jeweils verbunden mit dem Wunsch nach Unterstützung, z.B. in Form von Beratungen oder Fortbildungen.

      Wir möchten uns hiermit noch einmal ausdrücklich bei allen bedanken, die an der Bedarfsabfrage teilgenommen haben!

      KompRex | 13. April 2026

    13. Kompetent gegen Rechtsextremismus – Modulare Fortbildungsreihe 2026

      Kompetent gegen Rechtsextremismus – Modulare Fortbildungsreihe 2026

      Foto: ©Jan Weiler

      Der Kooperationsverbund Rechtsextremismusprävention (KompRex) bietet von April bis Juli 2026 eine modulare Fortbildungsreihe an.

      Mit der modularen Online-Fortbildungsreihe reagierte KompRex auf von uns wahrgenommene Bedarfe für eine niedrigschwellige Fortbildung und Qualifizierung zum Thema Rechtsextremismusprävention. Sie richtet sich in erster Linie an Personen aus Regelstrukturen, also z.B. Gleichstellungsbeauftragte, Mitarbeitende von großen Sozialverbänden oder der Freiwilligen Feuerwehr, Fachkräfte aus der Rechtsextremismusprävention, Personen die in Projekten, die von „Demokratie Leben!“ gefördert werden, selber aktiv sind und die vielen Aktive der Zivilgesellschaft.

      In zwei einführenden Workshops soll Grundlagenwissen über Erscheinungsformen des Rechtsextremismus vermittelt werden. In den darauffolgenden Vertiefungsworkshops führen die Träger des KompRex in die Herausforderungen mit Rechtsextremismus in ihren jeweiligen Feldern ein. Die Anmeldung ist ab sofort möglich.

      Die Workshops finden jeweils von 9-13 Uhr online statt.

      Die Anmeldung ist bereits abgeschlossen.


      Montag, den 27.04.2026, 9-13 Uhr
      Einführungsworkshop I: Rechtsextremismus in Deutschland – Grundlagen

      Hinschauen, verstehen, einordnen: Im ersten Workshop schaffen wir eine gemeinsame Grundlage für die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und seinen Ausprägungen. Wir setzen uns mit zentralen Begrifflichkeiten und wissenschaftlichen Diskursen auseinander, nehmen die Perspektive von Betroffenen in den Blick und beleuchten Erklärungsansätze zu Radikalisierungsprozessen.


      Dienstag, den 05.05.2026, 9-13 Uhr
      Einführungsworkshop II: Modernisierungen? – Neue Rechte und türkischer Rechtsextremismus

      Das zweite Modul will aufzeigen, wie unterschiedlich Erscheinungsformen des Rechtsextremismus in Deutschland sein können. Im Mittelpunkt stehen die sogenannte Neue Rechte und der türkische Rechtsextremismus in Deutschland.
      In Bezug auf die Neue Rechte soll gefragt werden, was ihren ideologischen Kern ausmacht, welchen intellektuellen und auch radikalisierenden Einfluss sie auf den (parteiförmigen) Rechtsextremismus hat, und was sie vom Konservatismus trennt. In Bezug auf türkischen Rechtsextremismus geht es um die Frage, wie dieser in Deutschland auftritt, wie und welche Personen und Gruppen maßgeblich davon bedroht sind und in welchem Verhältnis er zur mehrheitsdeutschen extremen Rechten steht. Darüber hinaus sollen Handlungsoptionen der demokratischen Zivilgesellschaft diskutiert werden.


      Montag, 11.05.2026, 9-13 Uhr
      „Mannhaft werden“ – Relevanz von Gender- & Familienpolitiken im Rechtsextremismus

      Antifeminismus ist eine zentrale Ideologie im Rechtsextremismus, die sich gegen die Gleichstellung der Frauen genauso wie gegen geschlechtliche und sexuelle Vielfalt richtet. Auf der anderen Seite werden Frauen, queere Menschen und ihre Rechte instrumentalisiert, um rassistische Politiken zu legitimieren. Das Seminar gibt einen Überblick über Begriffe und rechtsextreme Strategien: Welche Geschlechterbilder und -vorstellungen kennzeichnen den Rechtsextremismus? Was und wer steckt hinter Anti-Gender-Mobilisierungen? Was verbirgt sich hinter „aktivierender Familienpolitik“, der Inszenierung als „wahre Feministinnen“ oder dem „Schutz unserer Frauen & Kinder“? Und warum sind diese Themen so anschlussfähig?

      (Der Workshop wird von der Amadeu Antonio Stiftung durchgeführt.)


      Mittwoch, 20.05.2026, 9-13 Uhr
      Rechtsextreme Einflussnahme in der Arbeitswelt: Akteur*innen und Handlungsoptionen

      Jede*r dritte Beschäftigte in Deutschland hat bereits rechtsextreme Einstellungen am Arbeitsplatz wahrgenommen. Viel zu oft werden diese Fälle ignoriert, denn Führungskräften wie Mitarbeitenden fehlt es an praktischem Wissen. Der Workshop gibt einen Überblick über das Thema Rechtsextremismus in der Arbeitswelt. Es werden rechtsextreme Strategien und Akteur*innen im Kontext Wirtschaft und Arbeit aufgezeigt und besprochen, wie sich deren Einflussnahme hier erkennen lässt. Außerdem werden Handlungsoptionen diskutiert, um der Verbreitung von Rechtsextremismus am Arbeitsplatz entgegenzuwirken.

      (Der Workshop wird von Gesicht Zeigen durchgeführt.)


      Dienstag, 26.05.2026, 9-13 Uhr
      Umgang mit Angriffen und Bedrohungen

      Was ist bei Angriffen und Einschüchterungsversuchen von rechts auf die demokratische Zivilgesellschaft zu tun? Und wie finden wir den richtigen Umgang mit Shitstorms? Der Workshop zeigt anhand von Bedarfen der Teilnehmenden verschiedene Strategien der Gegenwehr auf, informiert über Hilfs- und Unterstützungsstrukturen für Betroffene rechter Anfeindungen, Bedrohungen und Angriffe und bietet die Möglichkeit für Erfahrungsaustausch.

      (Der Workshop wird von der Amadeu Antonio Stiftung durchgeführt.)


      Mittwoch, 03.06.2026, 9-13 Uhr
      Die extreme Rechte und die Religion

      Wichtige Teile der extremen Rechten setzen zunehmend auf christliche Identitätspolitik – wie nicht zuletzt die bekannte Parole von der „Rettung des christlichen Abendlandes“ zeigt. Wir wollen in der Veranstaltung der Frage nach dem Verhältnis der extremen Rechten zur Religion nachgehen und welche Bedeutung das für die Analyse des Rechtsextremismus hat.
      Die extreme Rechte ist keineswegs einheitlich religiös geprägt. Während einige Strömungen das Christentum instrumentalisieren, lehnen andere es ab und orientieren sich an neuheidnischen Mythen oder an einer „rechten Esoterik“.  Doch welche Inhalte werden am rechten Rand der Kirchen vertreten? Warum sind Neonazis so vom Neuheidentum fasziniert? Und welche Rolle spielt dabei die lange Tradition des christlich geprägten Antisemitismus?

      (Der Workshop wird von der BAG K+R durchgeführt.)


      Montag, 08.06.2026, 9-13 Uhr
      Am Rand verortet – mitten in der Gesellschaft: Türkischer Rechtsextremismus im deutschen Kontext

      Der Workshop bietet einen einführenden Überblick in eine bislang oft einseitig beleuchtete Facette des Rechtsextremismus: die türkische (extreme) Rechte in Deutschland. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit ideologischen Merkmalen, ein Blick auf zentrale Akteure sowie der Vergleich mit rechtsextremen Ideologien im mehrheitsdeutschen Kontext.
      Besonderes Augenmerk gilt der Perspektive von Betroffenen sowie den gesellschaftlichen Auswirkungen des Phänomens. Gemeinsam setzen wir uns im Workshop mit bestehenden Strukturen in der Präventionslandschaft auseinander – bevor wir der Frage nachgehen, welche Herausforderungen sich daraus für politische Bildung, Prävention und professionelles Handeln ergeben.

      (Der Workshop wird von der Fachstelle Türkischer Rechtsextremismus durchgeführt.)


      Montag, 15.06.2026, 9-13 Uhr
      Jugendlicher Rechtsextremismus – Problemaufrisse und Präventionsansätze

      Immer jüngere Heranwachsende vertreten lautstark menschen- und demokratiefeindliche Haltungen. Aktionsorientierte rechtsradikale Jugendkulturen erstarken und werden z.T. von rechtsextremen Altkadern unterstützt. Das Gewaltpotential steigt. Die Frage, wie man pädagogisch angemessen damit umgeht, stellt u.a. Schule und Jugendarbeit vor drängende Herausforderungen.
      Im Workshop wird Hintergrundwissen zu Radikalisierungsprozessen, Risikofaktoren und Hinwendungsmotiven bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen differenziert dargestellt und entsprechende Ansätze, Strategien und Handlungsmöglichkeiten der Rechtsextremismusprävention und Intervention hinsichtlich ihrer Potentiale und Grenzen besprochen und mit den Bedarfen und Praxiserfahrungen der Teilnehmenden abgeglichen.

      (Der Workshop wird von Cultures Interactive durchgeführt.)


      Dienstag, 23.06.2026, 9-13 Uhr
      Kenne Deine Rechte(n)! – Rechtsextremismus und Justiz

      Wann ist rechtsextreme Hetze eigentlich strafbar? Welche rechtsextremen Symbole und Kennzeichen sind verboten? Und was bedeutet es, wenn die Justiz im Verfahren ein politisches Motiv (nicht) erkennt? Dieser Workshop vermittelt rechtliches Grundlagenwissen zu relevanten Straftatbeständen und zeigt die größten Leerstellen im juristischen Umgang mit Rechtsextremismus auf. Besprochen werden neben dem Umgang der Justiz mit Rechtsextremismus auch die Diskussion um Parteiverbotsverfahren und die Frage nach politischer Neutralität. 

      (Der Workshop wird von Gesicht Zeigen durchgeführt.)


      Mittwoch, 08.07.2026, 9-13 Uhr
      Kindheit rechts außen

      Wie ergeht es Kindern, die in einer extrem rechten Familie aufwachsen? Im Workshop geben wir einen Einblick in das Thema und beleuchten Familiensysteme sowie Erziehungsmethoden, auch vor historischem Hintergrund. Mit einer Vielfalt an Methoden eröffnen wir unterschiedliche Perspektiven und werfen zum Abschluss einen Blick auf Herausforderungen und Handlungsoptionen.

      (Der Workshop wird von der Fachstelle Rechtsextremismus und Familie des LidiceHauses Bremen durchgeführt.)


      KompRex | 7. April 2026

    14. Sicherheitsreport zu Angriffen auf Demokratieprojekte

      Sicherheitsreport zu Angriffen auf Demokratieprojekte

      Bild: ©Amadeu Antonio Stiftung

      Rechtsextremismus ist die größte Gefahr für die Demokratie in Deutschland: Immer häufiger werden Demokratieprojekte Ziel rechtsextremer Angriffe, ihre Arbeit wird zunehmend erschwert.

      Die demokratische Zivilgesellschaft gerät dabei gezielt unter Druck: Projekte werden angegriffen, Förderungen infrage gestellt und Engagierte eingeschüchtert. Gleichzeitig verbreiten rechtsextreme Akteure – darunter auch die Alternative für Deutschland sowie rechts-alternative Medien – demokratiefeindliche Narrative, die darauf abzielen, zivilgesellschaftliches Engagement zu delegitimieren. So entsteht ein Feindbild der Zivilgesellschaft, das die Bedingungen für Demokratiearbeit zunehmend verschärft.

      Der Sicherheitsreport „Feindbild Zivilgesellschaft“ analysiert diese Entwicklungen, ordnet die Angriffe systematisch ein und widerlegt zentrale Narrative. Zudem kommen Betroffene selbst zu Wort, und es werden konkrete Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Angriffen aufgezeigt.

      Die Analyse basiert auf einem systematischen Medienmonitoring.

      Amadeu Antonio Stiftung | 2. April 2026

    15. Niedrigschwellig und praxisorientiert

      Niedrigschwellig und praxisorientiert

      Foto: ©Offenblende/Micheal Wendt

      Online-Fortbildungen von cultures interactive e.V. im Frühjahr 2026

      Auch dieses Jahr bietet cultures interactive e.V. wieder ausgewählte Online-Fortbildungen für Mitarbeitende aus Schule und Jugendarbeit an. Im Zeitraum April bis Mai finden vier Veranstaltungen statt.

      Beim „Basiskurs Rechtsextremismus“ bekommen Lehrkräfte und Jugendsozialarbeitende Ideen und Hintergründe zu guten Zugängen und Hilfestellungen, um mit rechtsextrem affinen Kindern und Jugendlichen zu arbeiten und Veränderungen bei ihnen anzuregen.

      „Von wegen neutral“ stärkt die Handlungssicherheit bei Lehrkräften, Demokratieförderung entsprechend ihres schulgesetzlich geregelten Auftrags, im Unterricht umzusetzen.

      Im Online-Workshop „Genderreflektierte Rechtsextremismusprävention“ werden Weiblichkeits- und Männlichkeitsvorstellungen sowie geschlechtsspezifische Hinwendungsfaktoren zum Rechtsextremismus diskutiert. Dazu gibt es Anregungen zu Präventionsansätzen, die Genderfragen reflektieren.

      Im zweiteiligen Workshop „Jugendkulturansatz in der Islamismusprävention“ geht es einerseits um Formen und Themen in der islamistischen Ansprache und um ­spezifische Hinwendungs­faktoren und andererseits um konkrete Leitlinien, Methoden und Themen für eine lebens­welt­orientierte und diversitäts­sensible Islamismus­prävention im Abgleich zu Rechtsextremismus.

      Basiskurs Rechtsextremismusprävention (3 Module á 3 Std, 08./22./29.04.2026, je 10 – 13 Uhr)

      Der Jugendkulturansatz in der Islamismusprävention (2 Module á 3 Std, 19./26.05.2026, je 17 – 20 Uhr)

      Genderreflektierte Rechtsextremismusprävention

      Von wegen neutral! (27.05.2026, 10 – 12.30 Uhr)

      Angesprochen sind ehren-/neben-/hauptamtliche Mitarbeitende und Multiplikator:innen aus pädagogischen und verwandten Arbeitsfeldern wie Jugend(sozial)arbeit, (politischer) Bildung, Prävention, Schule, Demokratiearbeit.

      Die Anmeldung ist unter den angegeben Links ab sofort möglich.

      Cultures Interactive | 2. April 2026

    16. Türkischer Rechtsextremismus und die Stimmen der Betroffenen

      Türkischer Rechtsextremismus und die Stimmen der Betroffenen

      Bild: ©KompRex

      Im Fachmagazin „Außerschulische Bildung – Zeitschrift in der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung“ (3/2025) haben Fachreferent*innen der Fachstelle Türkischer Rechtsextremismus (FaTRex) einen Artikel mit dem Titel „Türkischer Rechtsextremismus und die Stimmen der Betroffenen“ beigetragen. Gulistan Özmen-Tuncel und Erol Ünal beschäftigen sich darin mit transnationalen ideologischen Verflechtungen, Radikalisierungsstrategien und medialen Inszenierungen. Im Zentrum stehen u.a. die Sichtbarmachung der Perspektiven Betroffener, die Anfeindungen und Gewalt erfahren. Es stellt sich die Frage: Wie kann politische Bildung türkischem Rechtsextremismus begegnen, ohne minorisierte Gruppen pauschal zu stigmatisieren? Der Artikel ist ein Plädoyer für eine differenzierende Auseinandersetzung mit transnationalen Rechtsextremismen als Bestandteil demokratischer Bildung und Resilienzförderung.

      FaTRex | 23. März 2026

    17. Fachartikel zu türkischem Rechtsextremismus in „psychosozial“

      Fachartikel zu türkischem Rechtsextremismus in „psychosozial“

      Bild: ©KompRex

      Özge Erdoğan von der Fachstelle Türkischer Rechtsextremismus und Lisa Geffken von der Amadeo Antonio Stiftung haben einen gemeinsamen Fachartikel in der Zeitschrift psychosozial (2025/3) veröffentlicht.

      Der Beitrag trägt den Titel „Die Ülkücü-Bewegung (Graue Wölfe). Rechtsextremismus im transnationalen Kontext und seine Implikationen für Demokratieförderung und Sicherheit in Deutschland“ und setzt sich mit den Strukturen, Ideologien und transnationalen Verflechtungen türkischen Rechtsextremismus auseinander.

      Der Artikel analysiert insbesondere die Rolle der sogenannten Ülkücü-Bewegung („Graue Wölfe“) sowie die Herausforderungen, die sich daraus für Demokratieförderung, Präventionsarbeit und den Schutz betroffener Gruppen in Deutschland ergeben. Zudem wird aufgezeigt, warum eine stärkere Sensibilisierung für türkischen Rechtsextremismus in Politik, Zivilgesellschaft und pädagogischer Praxis notwendig ist.

      Der Beitrag kann beim Psychosozial-Verlag heruntergeladen werden (8,99 €):
      https://psychosozial-verlag.de/programm/4000/4100/26789-detail

      FaTRex & Amadeu Antonio Stiftung | 16. März 2026

    18. Strategien gegen Diffamierungen – Flyer veröffentlicht

      Strategien gegen Diffamierungen – Flyer veröffentlicht

      Bild: ©Amadeu Antonio Stiftung

      Rechtsextreme Parteien gehen gezielt gegen öffentliche Förderprogramme für Demokratieprojekte und die durch sie geförderten Träger vor. Dahinter stecken Kampagnen gegen die demokratische Zivilgesellschaft, die darauf abzielen, wirkungsvolle Arbeit gegen Menschenfeindlichkeit und rechtsextreme Ideologien systematisch zu erschweren. Vereine, Bündnisse und andere zivilgesellschaftliche Organisationen werden deshalb strategisch angegriffen.

      Der Flyer richtet sich an zivilgesellschaftliche Initiativen und versteht sich als Leitfaden für praxistaugliche Gegenstrategien, die ihnen dabei helfen, trotz Diffamierungskampagnen und Anfeindungen arbeitsfähig und resilient zu bleiben. Wer die Methoden rechtsextremer Akteur*innen versteht, kann rechtzeitig sinnvolle Maßnahmen ergreifen, etwa Kommunikationsstrategien entwickeln, Verbündete suchen, Beratung und rechtliche Unterstützung finden sowie Team und Mitglieder schützen. Der Flyer wurde vom Kompetenzzentrum Rechtsextremismus und Demokratieschutz in Zusammenarbeit mit der Projektförderung der Amadeu Antonio Stiftung erstellt und steht zum Download zur Verfügung.

      Amadeu Antonio Stiftung | 12. Februar 2026

    19. Online-Sicherheitssprechstunde für die demokratische Zivilgesellschaft

      Online-Sicherheitssprechstunde für die demokratische Zivilgesellschaft

      Bild: ©Amadeu Antonio Stiftung

      Die Online-Sicherheitssprechstunde für die demokratische Zivilgesellschaft

      Einmal im Monat bietet die Amadeu Antonio Stiftung eine Online-Sicherheitssprechstunde an, um die Zivilgesellschaft besser auf aktuelle Bedrohungen vorzubereiten. Ziel ist es, einen offenen Raum für Austausch zu schaffen, in dem sich Menschen begegnen können, die sich in der demokratischen Zivilgesellschaft engagieren. Auf diese Weise wird ein niedrigschwelliger Wissensaustausch ermöglicht, der es den Teilnehmenden erlaubt, voneinander zu lernen und von den Erfahrungen anderer zu profitieren.

      Ein Raum für Engagierte aus der demokratischen Zivilgesellschaft

      Die Sicherheitssprechstunde richtet sich dabei an alle Menschen, die sich in der demokratischen Zivilgesellschaft engagieren, sich für sicherheitsrelevante Fragestellungen interessieren und sich darüber austauschen möchten. Die Themen der kommenden Sitzungen werden nach und nach bekannt gegeben. Interessierte können die geplanten Termine hier einsehen.

      Ablauf: Input und Austausch

      In der Regel beginnen die Sicherheitssprechstunden mit einem Experteninput, der das jeweilige Schwerpunktthema einführt und vertieft. Daran schließt sich der zentrale Bestandteil des Formats an: der gemeinsame Austausch. Die Teilnehmenden sind eingeladen, offen Fragen zu stellen, eigene Perspektiven einzubringen und über ihre Erfahrungen zu sprechen. Die Sicherheitssprechstunde ist ausdrücklich als beteiligungsorientiertes Format konzipiert und bietet allen Teilnehmenden ausreichend Raum, um ihre individuellen Anliegen zu thematisieren

      Was bewirkt die Sicherheitssprechstunde?

      Die Sicherheitssprechstunde wird seit Juni 2025 angeboten. Seitdem konnten schon viele unterschiedliche Themen behandelt werden. So wurde unter anderem der Austausch zu Fragen des Datenschutzes, der Resilienz und der Neutralität innerhalb der demokratischen Zivilgesellschaft ermöglicht. Darüber hinaus fließen die Erkenntnisse aus den Sicherheitssprechstunden in die Sicherheitsreports ein und werden so einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.

      Ausblick: Bedrohung der Zivilgesellschaft in Wahlkampfzeiten

      Die nächste Sicherheitssprechstunde findet am 11. Februar 2026 statt und richtet sich gezielt an Engagierte in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Im Kontext der Landtagswahlen haben Interessierte die Möglichkeit, sich mit Stefan Heerdegen von MOBIT über mögliche Bedrohungen und Gefahren austauschen und gemeinsam Umgangsstrategien zu entwickeln. Diese Sicherheitssprechstunde wird ohne Experteninput stattfinden und ist ausschließlich als beteiligungsorientiertes Format angelegt. Eine Anmeldung ist ab sofort unter sicherheitssprechstunde@komprex.de möglich. Die Teilnehmenden werden gebeten, konkrete Fragen bereits bei der Anmeldung anzugeben.

      Amadeu Antonio Stiftung | 5. Februar 2026

    20. Elternzeitvertretung in der Koordinierungsstelle des KompRex

      Elternzeitvertretung in der Koordinierungsstelle des KompRex

      Foto: ©Julian Paul

      Mein Name ist Lea Lochau und ich bin die Elternzeitvertretung für die Koordinatorin des Kooperationsverbunds Rechtsextremismusprävention (KompRex), angesiedelt bei der Amadeu Antonio Stiftung. Ich habe Sozial- und Kulturwissenschaften, mit Schwerpunkten Politik– und Genderstudies an der Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) studiert. Seit 2022 arbeite ich in der Amadeu Antonio Stiftung zu Rechtsextremismus und Antifeminismus, zuletzt als Fachreferentin für Bedrohungsmanagement und Koordination der Fachstelle für Gender und Rechtsextremismus.

      Die Erfahrungen und Expertise werde ich in der Koordination des KompRex nutzen und möchte inhaltlich die Schwerpunkte im Bereich geschlechterreflektierender Rechtsextremismusprävention und den Umgang mit strategischen Angriffen auf die Zivilgesellschaft durch rechtsextreme Akteur*innen setzen.

      In einer Zeit, in der Rechtsextremismus die Demokratie von vielen Seiten versucht zu zerstören, ist der Kooperationsverbund der Ort, an dem gesellschaftliche Verantwortung, langjährige fachliche Expertise und gemeinsames Handeln zusammenkommen und ich freue mich, die Koordination des KompRex als Elternzeitvertretung zu übernehmen!

      KompRex | 2. Februar 2026

    21. 2. KompRex-Newsletter

      2. KompRex-Newsletter

      Bild: ©KompRex

      Der politische Ton wird rauer, die Zahlen rechtsextremer Angriffe steigen, das Bundesprogramm „Demokratie Leben!“ sieht sich immer öfter Diffamierungskampagnen ausgesetzt…

      Was macht uns trotz all dem Hoffnung, unsere Arbeit voller Überzeugung weiter zu machen?

      Darüber können Sie in unserem neuen Newsletter lesen, der Mitte Dezember erscheint. Melden Sie sich schnell an und lassen auch Sie das Jahr hoffnungsvoll ausklingen!

      KompRex | 9. Dezember 2025

    22. Solidarischer – wirksamer – mutiger: Vernetzungstreffen der Gruppe beherzt 2025

      Solidarischer – wirksamer – mutiger: Vernetzungstreffen der Gruppe beherzt 2025

      Foto: ©Gruppe beherzt

      Ende September 2025 kamen rund 120 zivilgesellschaftlich Engagierte aus dem gesamten Bundesgebiet im niedersächsischen Bostelwiebeck zusammen. Eingeladen hatte die Gruppe beherzt – für Demokratie und Vielfalt e. V. zu ihrem jährlichen Vernetzungstreffen, das mit Unterstützung des Kompetenzzentrum Rechtsextremismus und Demokratieschutz organisiert wurde. Ziel der dreitägigen Veranstaltung war es, gemeinsame Strategien für wirksames demokratisches Handeln zu entwickeln, Erfahrungen zu teilen und Initiativen, insbesondere im ländlichen Raum, zu stärken. Also genau dort, wo demokratisches Engagement oftmals unter besonders schwierigen Bedingungen stattfindet. 

      Seit 2018 organisiert die Gruppe beherzt eines der größten Vernetzungstreffen für demokratisch Engagierte in strukturschwachen und ländlichen Regionen. Auch in diesem Jahr folgten über 120 Personen der Einladung: ein deutliches Zeichen für den hohen Bedarf an Austausch und Unterstützung. Schon zu Beginn der Veranstaltung wurde deutlich, unter welchem Druck viele Initiativen vor Ort stehen: Erst wenige Wochen vor dem Treffen war in Gardelegen eines der „Kreuze ohne Haken“ der Gruppe beherzt, ein Symbol für Vielfalt und Menschenrechte, verbrannt und das Bild anschließend in sozialen Netzwerken verbreitet worden.

      Solche Vorfälle verdeutlichen nicht nur die Anfeindungen, denen sich demokratisch Engagierte zunehmend ausgesetzt sehen, sondern auch, wie stark sich analoge und digitale Räume gegenseitig beeinflussen. Der digitale Raum spielt eine wachsende Rolle bei der Verbreitung rechtsextremer Ideologien, gerade unter Jugendlichen. Soziale Medien wirken dabei nicht selten als Katalysator für Radikalisierungsprozesse. Die gezielte Ansprache junger Menschen durch rechtsextreme Akteure, oft eingebettet in scheinbar harmlose Inhalte oder „Trends“, erschwert frühzeitige Interventionen und stellt zivilgesellschaftliche Arbeit vor neue Herausforderungen.

      In Impulsvorträgen und Diskussionen mit Expert*innen wie der Journalistin Andrea Röpke und der Theologin Dr. Ruth Hess wurden Themen wie völkische Siedlerfamilien, Antifeminismus, die Verbreitung rechtsextremer Narrative sowie gelungene Gegenstrategien thematisiert. Dabei wurde betont, dass fundierte Analysen, lokale Kenntnisse und tragfähige Netzwerke wesentliche Voraussetzungen für wirksame Demokratieförderung sind.

      Die Veranstaltung bot aber nicht nur Raum für Analyse, sondern auch für lösungsorientierten Austausch. Im Gespräch miteinander und mit Expert*innen aus Forschung, Journalismus und Praxis konnten die Teilnehmer*innen Anregungen für ihr eigenes Engagement sammeln, so etwa im Umgang mit Desinformation und Hassrede im Netz oder beim Aufbau resilienter lokaler Bündnisse.

      Ein zentrales Element des Treffens war die Podiumsdiskussion am Samstagnachmittag, in der Vertreter*innen der Zivilgesellschaft mit Jakob Blankenburg, Bundestagsabgeordneter der SPD, über notwendige politische Rahmenbedingungen für zivilgesellschaftliches Engagement ins Gespräch kamen. Moderiert von Tahera Ameer, Programmvorständin der Amadeu Antonio Stiftung, wurden unter anderem die Forderung nach einem Demokratiefördergesetz, Reformbedarfe im Gemeinnützigkeitsrecht sowie der Schutz vor strategischen Klagen (SLAPPs) diskutiert. Die Vorstellung einer gemeinsamen Resolution unterstrich den Wunsch nach klarer politischer Unterstützung für das Engagement vor Ort.

      Auch der Sonntag bot vielfältige inhaltliche Angebote. In praxisnahen Workshops ging es unter anderem um Kommunikationsstrategien gegen rechtsextreme Argumentationsmuster, digitale Zivilcourage und interkulturellen Austausch. Die Veranstaltung zeigte einmal mehr, dass demokratische Arbeit im ländlichen Raum, trotz aller Herausforderungen, von hoher fachlicher Qualität, großem Engagement und Innovationskraft geprägt ist.

      Die Gruppe beherzt – für Demokratie und Vielfalt e. V. ist seit 2018 in Niedersachsen aktiv. Die Mitglieder setzen sich für eine menschenrechtsorientierte, demokratische Gesellschaft ein und reagieren insbesondere auf rechtsextreme Raumnahmestrategien völkischer Siedlerfamilien. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie den „Kreuzen ohne Haken“ positioniert sich der Verein sichtbar gegen Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit. Die Amadeu Antonio Stiftung begleitet und unterstützt die Arbeit der Gruppe beherzt seit vielen Jahren, besonders bei der Organisation ihrer jährlichen Vernetzungstreffen.

      Amadeu Antonio Stiftung | 20. Oktober 2025

    23. Rechtsextremismus unter Jugendlichen: Eine wachsende Gefahr, der wir gemeinsam begegnen müssen

      Rechtsextremismus unter Jugendlichen: Eine wachsende Gefahr, der wir gemeinsam begegnen müssen

      Silke Baer (cultures interactive) und Lisa Geffken (Amadeu Antonio Stiftung) waren im Rahmen des Kooperationsverbunds Rechtsextremismusprävention (KompRex) im Austausch mit der Bundestagsabgeordneten Marlene Schönberger (Bündnis 90/Die Grünen).

      Im Fokus stand die besorgniserregende Zunahme rechtsextremer Vorfälle unter Jugendlichen, insbesondere in Schulen, im ländlichen Raum und auf digitalen Plattformen. Wir sehen:

      • Rechtsextreme Narrative greifen Alltagssorgen auf, etwa soziale Ungleichheit, Männlichkeitsbilder oder Zukunftsängste, und verknüpfen sie mit rassistischer und demokratiefeindlicher Ideologie.
      • An vielen Schulen fehlt es an Handlungssicherheit: Lehrkräfte sind oft überfordert, Schulsozialarbeit unterbesetzt.
      • In der Fläche dominieren mancherorts zunehmend rechtsextreme Jugendcliquen. Demokratische Gegenangebote fehlen, auch weil viele Strukturen und Förderungen wegbrechen.
      • Auf Social Media sind rechtsextreme Akteure dort präsent, wo Jugendliche sich informieren durch Memes, Musik, Influencer:innen. Demokratische Kräfte hingegen sind oft nicht sichtbar genug.

      Wir haben Erfahrungen aus der Praxis geteilt: von Workshops über Bedrohungslagen bis hin zur Frage, was Prävention heute leisten muss. Klar wurde im Gespräch: Wir ziehen an einem Strang. Politische Verantwortung heißt, Räume zu sichern, in denen Jugendliche gesehen, gestärkt und ernst genommen werden.

      Wenn diese Räume fehlen, füllt der Rechtsextremismus die Lücke.

      Vielen Dank an Marlene Schönberger für das offene, konstruktive Gespräch und für ihr klares Bekenntnis zu Demokratieförderung und nachhaltiger Prävention.

      „Angesichts der Normalisierung und Ausbreitung von Rechtsextremismus müssen Politik und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, um diese bedrohliche Entwicklung aufzuhalten. Dafür braucht es eine stabile, langfristige Finanzierung und Wertschätzung für die Zivilgesellschaft statt Misstrauen durch die Regierung.“ (Marlene Schönberger)

      Amadeu Antonio Stiftung | 16. Oktober 2025

    24. Ringvorlesung „Rechtsextremismus, Recht und Justiz“ an der FU Berlin, Wintersemester 2025/26

      Ringvorlesung „Rechtsextremismus, Recht und Justiz“ an der FU Berlin, Wintersemester 2025/26

      Foto: ©Gesicht zeigen!

      Wie hängen Rechtsextremismus, Recht und Justiz zusammen? Welche Rolle spielt rechtsextreme Ideologie vor Gericht? Was zeigen Prozesse gegen rechtsextreme Gewalt über den juristischen und gesellschaftlichen Umgang mit rechtsextremen Kräften?

      Diesen und weiteren Fragen widmet sich die vierte Auflage der Gesicht Zeigen!-Ringvorlesung „Rechtsextremismus, Recht und Justiz“ ab Mitte Oktober an der Freien Universität Berlin. In zehn Veranstaltungen beleuchten Expert*innen aus juristischer Praxis, Wissenschaft und Zivilgesellschaft unterschiedliche Schwerpunkte von der Diskussion um Parteiverbotsverfahren über die strafrechtliche Verfolgung rechter Gewalt bis hin zur juristischen Aufarbeitung des Attentats von Hanau.

      Die Vorlesungen finden ab dem 16.10. immer donnerstags von 18-20 Uhr (s.t.) an der Freien Universität Berlin statt.

      Die Veranstaltungen sind offen für alle Interessierten, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

      Die Ringvorlesung ist eine Kooperation von Gesicht Zeigen! und der Freien Universität Berlin unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Carsten Momsen.

      Gesicht Zeigen! | 15. Oktober 2025

    25. Modulare Fortbildungsreihe: Kompetent gegen Rechtsextremismus 2025

      Modulare Fortbildungsreihe: Kompetent gegen Rechtsextremismus 2025

      Foto: ©Offenblende/Michael Wendt

      Der Kooperationsverbund Rechtsextremismusprävention (KompRex) bietet von Oktober 2025 bis Januar 2026 eine modulare Fortbildungsreihe an. Die Reihe richtet sich an Fachkräfte aus der Rechtsextremismusprävention.

      In zwei einführenden Workshops soll Grundlagenwissen über Erscheinungsformen des Rechtsextremismus vermittelt werden. In den darauffolgenden Vertiefungsworkshops führen die Träger des KompRex in die Herausforderungen mit Rechtsextremismus in ihren jeweiligen Feldern ein. Die Anmeldephase ist bereits abgeschlossen. Mehr Infos zu den Inhalten der einzelnen Veranstaltungen finden Sie hier. Sollte die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigen, werden einzelne Module Anfang 2026 wiederholt.

      KompRex | 7. Oktober 2025

    26. Rechtsextreme rekrutieren über Fitness, Feminismus und Feindbilder

      Rechtsextreme rekrutieren über Fitness, Feminismus und Feindbilder

      Foto: ©Julian Paul

      Ob „Tradwife“-Ästhetik, Gaming-Communities oder maskuliner Fitness-Content – rechtsextreme Akteur*innen sprechen Jugendliche heute dort an, wo sie sich zu Hause fühlen. Im Interview mit Belltower.News erklärt Lisa Geffken vom Kompetenzzentrum Rechtsextremismus und Demokratieschutz der Amadeu Antonio Stiftung und die Koordinatorin des KompRex, wie digitale Radikalisierung funktioniert – und wie wir uns ihr entgegenstellen können. Denn wer die Mechanismen kennt, kann Jugendliche stärken und rechtsextreme Netzwerke zurückdrängen.

      Belltower.News: Frau Geffken, was sind aus Ihrer Sicht derzeit die größten Herausforderungen im Themenfeld Rechtsextremismus?
      Lisa Geffken: Rechtsextremismus ist längst kein Randphänomen mehr, sondern mitten in der Gesellschaft angekommen. Besonders gefährlich ist die Radikalisierung von Jugendlichen, die heute stark über soziale Netzwerke erfolgt. Studien zeigen, dass fast zwei Drittel aller rechtsextremen Straftaten in Deutschland mittlerweile mit rechtsextremen und menschenfeindlichen Content im Internet zusammenhängen. Der digitale Raum bietet einen idealen Nährboden, denn hier kommen Jugendliche oftmals ganz unbewusst und niedrigschwellig mit solchen Inhalten in Berührung. Dort werden sie durch geschickte Ansprache abgeholt – hier beginnt die Radikalisierung.

      Dabei sehen wir deutliche Unterschiede: Junge Männer werden oft über Gaming-Communities, Fitness-Content oder gewaltbetonte Männlichkeitsbilder angesprochen – dort wird Stärke, Dominanz und Abwertung anderer ästhetisch als „cool“ inszeniert. Junge Frauen geraten dagegen eher über die Vermittlung traditioneller Rollenbilder in rechtsextreme Narrative hinein: etwa über vermeintlich „traditionelle Weiblichkeit“, die sogenannte „Tradwife“-Szene oder über Lifestyle-Influencer*innen, die in ihren Botschaften subtile Abwertungen von Gleichberechtigung, Feminismus oder Vielfalt einweben.

      Das hört sich so an, als würden Rechtsextreme genau überlegen, wen sie wie ansprechen können.
       Ja, rechtsextreme Akteur*innen nutzen sehr gezielt die unterschiedlichen Lebenswelten von Mädchen und Jungen, um sie mit passgenauen Inhalten zu erreichen. Sie kennen ihre Zielgruppe und vor allem die passgenaue Ansprache sehr gut. Die Botschaft ist immer die gleiche: „Wir verstehen euch, wir geben euch Rückhalt und einfache Antworten.“ Dahinter stehen digitale Netzwerke und Influencer*innen-Strukturen, die hochgradig vernetzt und schwer greifbar sind.

      Wenn wir heute vom Rechtsextremismus sprechen, denken wir oft in erster Linie an Parlamente.
      Aus gutem Grund. Wir dürfen auch die parteiförmige Organisation des Rechtsextremismus nicht unterschätzen. Rechtsextreme Parteien versuchen, antidemokratische Einstellungen parlamentarisch zu verankern und zu normalisieren. Und militantere Strukturen wie die neonazistische Kleinstpartei „Der III. Weg“ setzen gezielt auf Straßengewalt, Einschüchterung und paramilitärisch anmutende Auftritte, um Jugendliche zu rekrutieren und ganze Regionen unter Druck zu setzen. Diese parteiförmigen Akteur*innen sind eine enorme Herausforderung, weil sie Radikalisierung nicht nur digital, sondern auch organisatorisch und institutionell verfestigen – und so dauerhaft Resonanzräume für Hass und Gewalt schaffen.

      Was wiederum auch den digitalen Hass verstärken dürfte.
      Digitale und parteiförmige Radikalisierung greifen ineinander. Rechtsextreme betreiben dahingehend Arbeitsteilung. Jugendliche übernehmen Begriffe wie „Remigration“ im Alltag oder vernetzen sich in Cliquen, die sich radikalisieren, während Parteien und weitere Strukturen zum Beispiel aus dem Bereich des Kampfsports bereitstehen, die diese Radikalisierung langfristig absichern und ein Lifestyle-Angebot machen. Gleichzeitig beobachten wir eine wachsende Gewaltbereitschaft gegenüber allen, die dem etwas entgegensetzen – Kommunalpolitiker*innen, Lehrkräfte oder demokratische Initiativen. Wenn diese Menschen bedroht werden und aufgeben, verlieren Regionen oft die einzigen Stimmen, die sich offen für Demokratie und Minderheiten einsetzen. Das macht die Lage so gefährlich.

      Wie reagiert das Kompetenzzentrum auf diese Entwicklungen?
      Unsere Arbeit hat immer zwei Seiten: Wir unterstützen konkret die engagierten Menschen vor Ort, und wir wirken vermittelnd, indem wir Wissen sammeln, Expertise aufbauen und Standards für Qualität in der Demokratiearbeit setzen. In unseren Sicherheitssprechstunden etwa beraten wir Engagierte, die durch Rechtsextreme unter Druck geraten, und entwickeln gemeinsam mit ihnen Strategien, wie sie sich schützen können. Gleichzeitig geht es uns darum, Erfahrungen und Wissen systematisch aufzubereiten und in die Breite zu tragen: mit Handreichungen wie dem Demokratieatlas, mit gemeinsamen Fortbildungen im Rahmen des KompRex-Verbunds der beteiligten sechs Träger und durch eine enge beratende Begleitung von Initiativen und Verwaltungen vor Ort. Das ist genau die Stärke, die wir als Amadeu Antonio Stiftung in die Verbundarbeit des KompRex einbringen: wir kennen die Initiativen vor Ort, insbesondere in Ostdeutschland und rechtsextremen Schwerpunktregionen, ihre Probleme und Bedarfe und können durch unsere jahrzehntelange Expertise passgenau unterstützen und beraten.

      Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit ist auch die Vernetzung. Wir bringen Akteur*innen aus Politik, Verwaltung, Schulen und Zivilgesellschaft zusammen, damit sie voneinander lernen und einander stärken. Denn nur, wenn wir unser Wissen bündeln und gemeinsam Qualitätsstandards für Prävention und Demokratieschutz entwickeln, können wir nachhaltig und langfristig etwas verändern. Gerade in Zeiten, in denen Rechtsextreme sich immer stärker auf den digitalen Raum konzentrieren, ist diese koordinierte Arbeit entscheidend.

      Können Sie Beispiele nennen, wie Ihre Arbeit wirkt?
      Eine junge Frau hat uns erzählt, dass sie wegen massiver Drohungen ihr Amt aufgeben wollte. In der Sicherheitssprechstunde haben wir gemeinsam Schutzstrategien entwickelt, und sie konnte dadurch weitermachen.

      Oder Jugendliche, die nach einem unserer Workshops berichteten: „Jetzt verstehe ich, wie diese Influencer arbeiten – und ich kann dagegenhalten.“ Einige von ihnen haben danach eigene Projekte an ihren Schulen gestartet, um über Vielfalt und gegenseitigen Respekt zu sprechen. Das zeigt, dass unsere Arbeit ermutigt und konkret wirkt.

      Mit den Initiativen gegen Rechtsextremismus im ländlichen Raum haben wir gerade vorletztes Wochenende bei einem überregionalen Vernetzungstreffen gemeinsam Positionen für die Politik formuliert, und sie zusammen mit Bundestagsabgeordneten diskutiert.

      Immer wieder gibt es auch Diffamierungen gegen die Amadeu Antonio Stiftung. Warum?
      Das ist ein altbekanntes Muster: Rechtsalternative Medien und Akteur*innen wie die AfD suchen sich Details heraus, blasen sie auf und stellen unsere Arbeit als unseriös dar. Ziel ist es, das Vertrauen in zivilgesellschaftliches Engagement zu zerstören. Wenn solche Vorwürfe von einzelnen Akteur*innen demokratischer Parteien aus der politischen Mitte übernommen werden, wird es besonders gefährlich – dann werden die Angriffe normalisiert.

      Natürlich machen auch wir oder die Bundesprogramme nicht alles perfekt. Wo Fehler passieren, benennen und bearbeiten wir sie offen und kritisch, denn Demokratie lebt von Glaubwürdigkeit und Transparenz. Und selbstverständlich gehören Träger, die nicht klar auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, von einer Förderung ausgeschlossen. Aber die organisierten Desinformations- und Diffamierungskampagnen haben häufig mit konstruktiver Kritik nichts zu tun – sie sollen unsere Arbeit delegitimieren. Dabei ist sie wissenschaftlich fundiert, unabhängig und vor allem notwendig. Ohne zivilgesellschaftliches Engagement, ohne Demokrat*innen ist unsere Demokratie schutzlos.

      Amadeu Antonio Stiftung | 3. Oktober 2025

    27. 1. KompRex-Newsletter

      1. KompRex-Newsletter

      Bild: ©KompRex

      Unser erster Newsletter wurde versendet!

      Wir stellen uns vor und berichten über die Herausforderungen, mit denen wir als Gesellschaft und in unseren Organisationen konfrontiert sind – und wie wir ihnen mit unserer Arbeit begegnen.

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      KompRex | 30. September 2025