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Alle Menschen, die sich für Demokratie und gegen Rechtsextremismus engagieren, stehen immer wieder vor der Frage, ob die entwickelten Maßnahmen eine nachhaltige Wirkung entfalten. Projektmitarbeitende und Geldgeber*innen wollen, dass die durch sie geförderte Projekte dort wirken, wo es notwendig ist. Daher spielen auch im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ Evaluation und Wirkung eine immer größere Rolle. Im Bundesprogramm werden Projekte von wissenschaftlichen Evaluationen begleitet, welche von den Fördermittelgebenden beauftragt wurden. Trotzdem ist bei vielen Trägern der Wunsch entstanden, zusätzlich selbst Informationen und Daten zu sichern, welche die Wirkung der eigenen Projekte belegen – sei es im Rahmen eines Qualitätsmanagements, zur fortlaufenden Reflexion der Projektausrichtung oder um zukünftige Fördermittel zu sichern.
Mit diesem Artikel möchten wir auf einige Fragen eingehen und beispielhaft zeigen, wie Wirkungsorientierung im Arbeitsalltag konkret umgesetzt werden kann. Dafür stellen wir einige Schritte vor, die seitens des Kompetenzzentrum Rechtsextremismus und Demokratieschutz der Amadeu Antonio Stiftung umgesetzt werden. Diese Vorstellung stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit dar und ersetzt keine wissenschaftliche Evaluation von Projekten. Stattdessen sollen interessierte Träger die vorgestellten Maßnahmen selbst auf ihre eigenen Bedürfnisse und Themenfelder anwenden können.
Schritt 1: Informationen zusammentragen und Wirkungsziele formulieren
Der Begriff Wirkung beschreibt eine eingetretene Veränderung, ausgelöst durch eine durchgeführte Maßnahme. Wirkungsorientierung hingegen ist die Projektausrichtung auf die bestmögliche Erzielung von Wirkung und die Anpassung der Projektplanung daraufhin (vgl. Phineo 2021: 6). Um die eigene Projektarbeit auf Wirkungsorientierung auszurichten, muss demnach vorab festgelegt werden, welche Wirkung das Projekt erzielen soll.
Die Formulierung von Wirkungszielen wird auch Wirkungsmodell genannt und ein Wirkungsmodell kann grafisch zum Beispiel durch Wirkungsketten oder -treppen dargestellt werden. Für einzelne Maßnahmen haben wir im Kompetenzzentrum Rechtsextremismus und Demokratieschutz Wirkungsketten formuliert. Phineo, eine gemeinnützige AG mit dem Ziel der Stärkung von strategischem gesellschaftlichen Engagement, bietet hierfür Vorlagen für eine eigens entwickelte Wirkungstreppe an (Phineo 2021).
Innerhalb eines Wirkungsmodells wird zuerst die eingebrachte Arbeitsleistung (Input) beschrieben, beispielsweise die Organisation eines Demokratiefestes. Daraus entsteht die erbrachte Leistung (Output), in diesem Fall die durchgeführte Veranstaltung. Anschließend wird festgelegt, welche Wirkung die Veranstaltung erbringen soll. Dafür wird zum einen die Wirkung des Festes auf die Zielgruppe (Outcome) beschrieben. Dies kann zum Beispiel ein Wissenszuwachs zu Demokratie bei den Teilnehmenden sein. Zum anderen wird die Wirkung auf die Gesellschaft (Impact) formuliert (vgl. Kortendieck, Stepanek 2019: 190). Im Beispiel könnte dies die Stärkung der demokratischen Stadtgesellschaft sein. Statt dass Projektträger v.a. auf die Erbringung von vereinbarten Leistungen achten, soll durch den Fokus auf Wirkung der gesellschaftliche Mehrwert und Wandel im Mittelpunkt stehen.
Wichtig dabei ist, das tiefliegende gesellschaftliche Problem mit den jeweiligen Ursachen und Konsequenzen genau zu kennen. Nur so können Maßnahmen formuliert werden, die das Problem adressieren, die Zielgruppe erreichen und die größtmögliche Wirkung erzielen. Zur Definition des Problems, zu welchem Maßnahmen entwickelt werden sollen, bietet sich eine Literaturrecherche, die Sammlung bisheriger Expertise und Erfahrungen sowie Fachgespräche mit Expert*innen und der Zielgruppe an. Aus eigener Erfahrung empfehlen wir zudem eine Bedarfsabfrage bei der Zielgruppe. Durch solch eine breit angelegte Umfrage konnten wir im Kompetenzzentrum alle Maßnahmen dieses Jahres nochmals mit den Wünschen und Belangen unserer Zielgruppe abgleichen.
Schritt 2: Daten sammeln und Wirkung messen
Nach der Wirkungsmodellierung sollte bekannt sein, welche Wirkung das Projekt im Idealfall erreichen soll. Nun geht es um die Frage, ob und wie Wirkung gemessen werden kann. Dazu haben wir im Kompetenzzentrum v.a. mit Daten gearbeitet. Für die Datenerhebung braucht es zuallererst eine Bestandsaufnahme innerhalb des Trägers: welche Daten bereits erhoben werden, sowie eine sinnvolle Aufgabenteilung innerhalb des Teams. Es sollten Daten gesammelt werden, die aussagekräftig sind, als auch relativ leicht erhoben werden können. Dies können zum Beispiel Aufrufzahlen von Publikationen und Beiträgen in den Sozialen Medien, Teilnahmezahlen bei Veranstaltungen zur Erreichung der Zielgruppe oder Ergebnisse von Teilnehmendenbefragungen sein. Zum Einholen von Feedback der Teilnehmenden können neben Online-Tools auch interaktive und niedrigschwellige Feedbackmethoden verwendet werden.
Veränderungen bei der Zielgruppe (Outcome) sind durch quantitative oder qualitative Befragungen teilweise feststellbar. Allerdings ist es für ein kleineres Projektteam mit befristeten Förderungen und ohne ausreichende Mittel und Erfahrungen in der empirischen Sozialforschung kaum möglich, gesellschaftliche Veränderung (Impact) nachzuweisen. Diese Limitation sollte stets nach außen transparent kommuniziert werden. Statt mit Daten zu arbeiten, können auch theoriegestützte Ansätze genutzt werden, um Einschätzungen von Programmeffekten formulieren zu können (Transfer für Bildung e.V. 2026).
Um beim Beispiel des Demokratiefestes zu bleiben: Nach dem Fest berichten Teilnehmende, dass sich ihr Wissensstand zu Demokratie positiv verändert hat und dass eigene Folgeprojekte entstehen. Doch welche Wirkung hatte die Veranstaltung für die (Stadt-)Gesellschaft? Hierfür bräuchte es zum Beispiel eine Längsschnittstudie, welche die Veränderungen der Einstellungen im Umkreis der Teilnehmenden über einen längeren Zeitraum erhebt. Allerdings sollte bei solchen Fragestellungen auch reflektiert werden, welchen Nutzen eine breit aufgelegte Befragung hat und in welchem Verhältnis dafür aufgebrachte Mittel und Erkenntnisse stehen.
Schritt 3: Erkenntnisse sichern und Handlungsempfehlungen entwickeln
Im letzten Schritt geht es darum, die zuvor festgelegten Wirkungsziele mit den erhobenen Ergebnissen bzw. Daten zu vergleichen und aus der Projekterfahrung Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen zur Weiterentwicklung des Projekts oder für zukünftige Projekte zu formulieren. Dabei sollte reflektiert werden, ob das Projekt nach jetzigem Kenntnisstand die gewünschte Wirkung erzielt hat. Innerhalb des Kompetenzzentrums erfolgt dies mit dem Verfassen von quartalsweisen Wirkungsberichten. Alternativ können Ergebnisse auch in Jahresberichten des Trägers erscheinen oder mündlich bei Teambesprechungen vorgestellt werden. Durch einen Open Access-Ansatz, wie es zum Beispiel das Metadatenportal „Datenatlas Zivilgesellschaft“ der Bertelsmann Stiftung ermöglicht, können die eigenen Erkenntnisse mit anderen Fachorganisationen geteilt werden.
Wir wollen mit diesem Beitrag einige Möglichkeiten der Wirkungsorientierung aufzeigen, welche auch mit beschränkten Mitteln umsetzbar sind. Erste Schritte hin zu mehr Wirkungsorientierung im Arbeitsalltag können demnach zum Beispiel die Einführung von Teilnehmendenbefragungen nach Veranstaltungen oder das erste Formulieren von Wirkungszielen während einer Teambesprechung sein. Dabei sollte für das Team nicht der Arbeitsaufwand im Fokus stehen, sondern die Nutzung von bereits existierender Expertise und das Ziel, die eigenen Präventionsprojekte nachhaltig zu stärken.
Bei Fragen oder Interesse an Austausch kann die Verfasserin gerne kontaktiert werden: kathrin.remus@amadeu-antonio-stiftung.de
Quellen
Kortendieck, G., Stepanek, P. (2019): Controlling in der deutschsprachigen Sozialwirtschaft. Eine Einführung. Wiesbaden: Springer VS.
Mildenberger, G., Kehl, K., Then, V. (2020): Maßstab für erfolgreiches Arbeiten. In: Wössner, U. (Hrsg.) Sozialraumorientierung als Fachkonzept Sozialer Arbeit und Steuerungskonzept von Sozialunternehmen. Sozialwirtschaft innovativ. Wiesbaden: Springer VS.
Phineo gAG (2021): Kursbuch Wirkung. Das Praxishandbuch für alle, die Gutes noch besser tun wollen. 6. Auflage. Berlin: Phineo.
Transfer für Bildung e.V. (Hrsg.) (2026): Gegenstandsangemessene Wirkungsevaluation in Demokratieförderung und nonformaler politischer Bildung. Eine fachliche Einordnung am Beispiel des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. Fachstelle politische Bildung –Wissens-Hub, Autor*innen: Hansek, M., Becker, H., Posenau, D., online: https://transfer-politische-bildung.de/fileadmin/user_upload/transfermaterial/veroeffentlichungen/Langfassung_TfB_2026-Gegenstandsangemessene-Wirkungsevaluation.pdf
Amadeu Antonio Stiftung | 5. August 2026
